Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 22.08.19, 14:00 Uhr

Nach den zwei nassen Augustdekaden, setzt wieder sommerliche, trockene Witterung ein. Rund 45 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 75 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation.

Witterung:
Das bisherige hydrologische Sommerhalbjahr (01.05. bis 21.08.2019) fiel in Nordbayern zu trocken (Niederschlagssumme: 244mm, 84% vom Mittel 1981-2010) und in Südbayern etwas zu nass aus (482mm, 104% vom Mittel). Die zahlreichen Augustregenfälle haben das nordbayerische Niederschlagsdefizit verringert, dennoch weist der Dürreindex der letzten 90 Tage Teile Oberfrankens als extrem trocken aus. Teile Niederbayerns und Unterfrankens sind als sehr trocken klassifiziert. Im bisherigen August blieb die Anzahl der Sommertage im langjährigen Vergleich unterdurchschnittlich (Anzahl der Sommertage: Augsburg 6, Hof 4).

Fließgewässer:
Die Niederschläge der letzten Tage haben vor allem im Süden Bayerns und in einem Streifen von Schwaben bis in die Oberpfalz zumindest vorübergehend für Entspannung gesorgt. Niedrige Abflüsse herrschen derzeit weiterhin in Nord- und Ostbayern vor. In Franken, der nördlichen Oberpfalz sowie Niederbayern liegen die Abflüsse an den gewässerkundlichen Pegeln verbreitet unterhalb des langjährigen mittleren Abflusses (MNQ) und werden als sehr niedrig eingestuft. Einige kleinere Fließgewässer sind abschnittsweise trockengefallen, zum Teil auch vollständig ausgetrocknet.

Seen und Speicher:
Einige Seen im Südosten Bayerns verzeichnen niedrige, z. T. sehr niedrige Wasserstände.
An den staatlichen Talsperren sind die Betriebsräume zur Niedrigwasseraufhöhung zwischen 65 und 100% gefüllt. Ein Nord – Süd Gefälle, bezüglich der Füllung der Betriebsräume, zugunsten Südbayerns ist weiterhin erkennbar.
Das Überleitungssystem Donau-Main kann derzeit über den Main-Donau-Kanal unter Mitwirkung des Rothsees das Maingebiet planmäßig mit Donauwasser versorgen.
Die Betriebsräume der Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der Jahreszeit entsprechend gut gefüllt. Die Wasserlieferung an die Fernwasserversorger erfolgt uneingeschränkt.

Grundwasserstände:
Aktuell weisen 45 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen niedrige und sehr niedrige Werte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen 75 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation. Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert. Auf Grund der letzttägigen Niederschläge kam es zu einer leichten Entspannung der aktuellen Niedrigwassersituation im oberen Grundwasserstockwerk. Nach wie vor liegen aber bayernweit verbreitet Niedrigwasserverhältnisse vor, welche teils noch deutlich unter dem entsprechenden Niveau des Vorjahres liegen. Lediglich im Voralpenland weist eine größere Anzahl an Messstellen normale Verhältnisse auf.
In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen sich nach wie vor die Auswirkungen der letzten Trockenjahre, insbesondere des Jahres 2018. So bewegte sich im bisherigen Jahresverlauf die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen durchgehend zwischen 55% und 78%. Es kann demnach noch von keiner Entspannung der Situation in den tieferen Grundwasserstockwerken gesprochen werden.
Bei erneutem Trockenwetter ist wieder mit einer Verschärfung der Niedrigwassersituation zu rechnen.

Wasserqualität Fließgewässer und Seen:
Die Niederschläge der letzten Tage haben zu einer wesentlichen Entspannung bei den Fließgewässern im Hinblick auf die Gewässerökologie geführt. So haben die Niederschläge eine weitere Verschlechterung der Situation z.B. für die Flussperlmuschel verhindert. Die Bäche, in denen eine Ausweitung der trockengefallenen Bereiche zu befürchten war, konnten ihren Wasserabfluss erhalten. Dadurch sind derzeit keine Umsetzungen von Muscheln erforderlich. Die Situation kann sich jedoch bei ausbleibendem Regen rasch wieder verschlechtern. Auch weisen weiterhin kleinere Gewässer jahreszeitliche typische geringe Abflüsse auf oder sind trockengefallen. Wegen der deutlich zurückgegangenen Tageslufttemperaturen sind auch die Gewässertemperaturen wieder im unkritischen Bereich, so dass keine Überschreitungen der festgelegten Orientierungswerte für die betroffenen charakteristischen Fischgemeinschaften gemessen werden. Am Main liegt für den gesamten Meldebereich keine Warnung vor.

Die Regenfälle und die vergleichsweise kühle Witterung der vergangenen Tage haben für die bayerischen Seen bis auf wenige Ausnahmen die Niedrigwassersituation für den Moment entspannt. Die See-Temperaturen vor allem der oberflächlichen Schichten sind etwas abgekühlt. Die Gefahr entstehender Algenblüten ist dadurch geringer geworden aber nicht vorbei. Die vorhergesagten höheren Temperaturen für die nächsten Tage kann das Auftreten der Algenblüten wieder fördern.

Ausblick:
Gemäß DWD-Vorhersagen bleibt ausgedehnter Hochdruckeinfluss bis zum Monatsende wetterbestimmend. Bei zeitweilig südlicher Strömung wird es sommerlich warm und die vorhergesagten Flächenniederschläge fallen gering aus, aber zeitweilig entstehen einzelne, teils kräftige Gewitter. Anfang September folgt ein kühlerer Witterungsabschnitt mit einzelnen Regentagen. Die Niedrigwasserlage wird sich in den betroffenen Gebieten fortsetzen und insgesamt ausweiten.


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