Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 19.06.26, 14:30 Uhr

Das Niederschlagsdefizit des laufenden Abflussjahres beträgt für Nordbayern 32 und für Südbayern 13 Prozent. Aktuell zeigen 88 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 75 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse.

Witterung:
In der ersten Junihälfte brachten sieben aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten gebiets- und zeitweise einige Starkniederschläge. Aktuell ist aber schon ein großräumiges Juni-Niederschlagsdefizit entstanden (s. Abb. 1). Im bisherigen Abflussjahr (01.11.2025 bis 18.06.2026) beträgt die Niederschlagssumme für Nordbayern 331mm (68 Prozent vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern 410mm (87 Prozent vom Mittel). Der Niederschlags-/Dürreindex (SPI) der letzten 90 Tage klassifiziert Teile von Schwaben, Oberbayern, Niederbayern und Mittelfranken als extrem trocken.
In der Temperaturbilanz weist das bisherige Abflussjahr, im Vergleich zum Mittel 1971 bis 2000, mehr als doppelt so viele Sommertage auf (Tage mit Lufttemperaturen von 25°C und mehr). So reicht die Spannweite der Sommertage von 8 (Hof) über 18 (München, Nürnberg, Würzburg) bis 23 (Regensburg). Die Anzahl der heißen Tage (Tage mit Lufttemperaturen von 30°C und mehr) steigt und beträgt bis zum 18. Juni: 0 (Hof), 5 (Nürnberg und Würzburg) und 9 (Regensburg).

Fließgewässer:
Mitte Juni 2026 zeigen ca. 56% der Messstellen in Bayern für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse, an 32% der Messstellen werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (Abb. 3).

Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns sind die Wasserstände in den letzten Tagen leicht angestiegen. Mitte Juni 2026 werden an ca. 24% der beobachteten Seen und Speicher für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 6% sehr niedrige Wasserstände registriert.

Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu rd. 67 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen ist die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet.

Am Überleitungssystem Donau-Main liegt planmäßiger Regelbetrieb vor. Das Überleitungssystem Donau-Main versorgt somit derzeit über den Main-Donau-Kanal unter Mitwirkung des Rothsees das Maingebiet mit Donauwasser.

An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 67% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.

Grundwasserstände und Quellschüttungen:
Aktuell weisen rund 75 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 72 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation. Zunehmend werden, mit Schwerpunkt im Südosten Bayerns, auch neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk

Nach dem zu trockenen Jahr 2025 waren auch das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 – April 2026) sowie der Monat Mai von einer deutlichen Trockenheit geprägt. In der Folge hatte sich an zahlreichen staatlichen Grundwassermessstellen und Quellen eine Niedrigwassersituation eingestellt (Vergleiche Lagebericht vom 02.06.2026). Die Niederschläge der ersten Junihälfte haben zwar zu einer Zunahme der pflanzenverfügbaren Bodenwassergehalte geführt, sie waren jedoch zu gering, um sich auch positiv auf die Grundwasserverhältnisse auszuwirken. Entsprechend wird aktuell an drei Viertel (75%) der Messstellen des oberen Grundwasserstockwerks eine, teils ausgeprägte, Niedrigwassersituation gemessen (Abb. 2). Zunehmend werden, mit Schwerpunkt im Südosten Bayerns, auch neue Niedrigstwerte registriert. Neben den Grundwasserständen sind insbesondere die Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk von Niedrigwasserbedingungen betroffen und zeigen häufig einen Schüttungsrückgang wie sonst in den Herbstmonaten.
Die aktuelle Situation ist als angespannt zu bezeichnen. Dies wird durch einen Vergleich mit den Bedingungen Mitte Juni der letzten fünf Jahre bestätigt: 2021: 41%, 2022: 56%, 2023: 47%, 2024: 5%, 2025: 52%. Unter Berücksichtigung der Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der üblichen jahreszeitlichen Entwicklung, muss vorerst von bayernweit weiter sinkenden Grundwasserständen ausgegangen werden. Die derzeit vorherrschende und ausgeprägte Niedrigwassersituation im Grundwasser wird sich demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit bis mindestens Anfang Juli verschärfen. Sollten weitere zu trockene Sommer- und Herbstmonate folgen, wird sich diese Entwicklung im Grundwasser noch länger fortsetzen. Das weitere Geschehen ist daher genau zu beobachten.

Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken

In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 72% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert (Abb. 2). Auch hier setzt sich die Entwicklung hin zu niedrigen Grundwasserständen weiter fort. Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind derzeit die bereits auffälligen Gebiete Tertiärhügelland und Sandsteinkeuper. Im nördlichen Franken zeigen einzelne Messstellen eine teils ausgeprägte Niedrigwassersituation. Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren

Aufgrund der in Summe zu geringen Niederschlägen der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15% auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.

Trinkwasserversorgung:
Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist gewährleistet. Versorgungsengpässe bei den Abnehmern sind aktuell nicht bekannt. Bei einer Reihe von Quellen und Brunnen der Wasserversorgung werden allerdings geringe bzw. zurückgehende Quellschüttungen und niedrige bzw. sinkende Grundwasserstände beobachtet, die unter den saisonal üblichen Werten liegen. Solche Hinweise zeigen sich aufgrund der Niederschlagssituation der vergangenen Monate besonders in Südbayern (Schwaben und Oberbayern) und Ostbayern. Im Hinblick auf die bevorstehenden Sommermonate mit üblicherweise höheren Verbräuchen haben einige Wasserversorger, vor allem wenn diese Quellwasser nutzen, vorsorglich zum Sparen von Trinkwasser aufgerufen und auf Einsparmöglichkeiten, z. B. bei Gartenbewässerung, Verzicht auf Befüllung von Swimmingpools und Autowaschen hingewiesen. Weitere Maßnahmen einzelner Wasserversorger sind: Erlass einer Allgemeinverfügung eines Wasserversorgers, die bis auf Weiteres das Befüllen von Swimmingpools untersagt, Aufnahme des Bezugs von Trinkwasser von einem leistungsfähigen benachbarten Fernwasserversorger, vorübergehende Genehmigung zur Inbetriebnahme stillgelegter Quellen.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab. Die Wassertemperatur bewegt sich aktuell in vielen Fließgewässern noch in einem ökologisch günstigen Bereich. In einigen Gewässern zeigen die Wassertemperaturen jedoch bereits ungünstige Werte. Die seit dem späten Winter vorherrschenden niedrigen Abflüsse lassen den Lebensraum für Fische und andere Gewässerlebewesen zunehmend schrumpfen oder gar trockenfallen. In den größeren Gewässern ist die ökologische Situation weitgehend noch als unkritisch zu bewerten. In den Kleingewässern stehen die Gewässerorganismen durch steigende Wassertemperaturen, Austrocknung und Sauerstoffmangel dagegen zunehmend unter Druck. Angesichts der aktuellen Wetterprognose (große Hitze, anhaltende Trockenheit) wird sich die gewässerökologische Situation voraussichtlich verschärfen.

Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Der Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Mit Beginn der stärker werdenden Sonneneinstrahlung im Frühjahr wird die Grundlage für die Schwebalgen-Entwicklung gelegt. Durch die bis in den Juni hinein kühlen Nächte liegen zurzeit keine außergewöhnlichen Temperaturen vor, was sich aber bei der vorhergesagten Hitzewelle rasch ändern kann.
Der Wasserstand vieler natürlicher Seen in Bayern befindet sich schon über einen längeren Zeitraum im niedrigen Bereich, die lokalen Niederschläge der letzten Wochen haben keine wesentliche Entspannung gebracht. Das Trockenfallen größerer Uferflächen verringert den Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände, die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Eiablagen, die in der Phase eines höheren Wasserstandes, erfolgt sind, können vertrocknen. Mögliche Auswirkungen, wie z.B. eine geringere Zahl an diesjährigem Nachwuchs sowie die Folgen für das empfindliche Ökosystem im Flachwasser können erst im Lauf der nächsten Jahre erkannt werden.
Erste starke Algenentwicklungen in einigen Weihergebieten wurden beobachtet. Im Altmühlsee musste bereits eine Badewarnung wegen einer starken Blaualgenentwicklung ausgesprochen werden, die installierte Badebucht ist nicht betroffen.

Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert die nächsten drei Kalenderwochen als aufeinanderfolgend zu trocken (KW 26 bis 29) und auch zu warm. Es soll eine Hitzewelle entstehen.

Aufgrund der vorhergesagten Witterung wird sich Niedrigwasserlage ausweiten und auch die Wassertemperaturen werden deutlich steigen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.


Abb.3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.


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