Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 03.07.26, 15:25 Uhr

Das Niederschlagsdefizit des laufenden Abflussjahres beträgt für Bayern rund 30 Prozent. Im Monat Juni wurde noch nie eine so lange Hitzewelle beobachtet. Aktuell zeigen 77 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 69 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse.

Witterung:
In der ersten Junihälfte verursachten sieben aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten gebiets- und zeitweise einige Starkniederschläge. Danach folgte vielerorts eine 14-tägige Trockenperiode und eine 8 bis 14-tägige Hitzewelle. Zum Monatsende traten in einigen Regionen Bayerns außergewöhnliche Starkregenfälle auf, aber in der großräumigen Bilanzierung erhielt auch der Juni wieder zu wenig Regen (s. Abb. 1) Im bisherigen Abflussjahr (01.11.2025 bis 02.07.2026) beträgt die Niederschlagssumme für Nordbayern (Bayern nördlich der Donau 374mm (72 Prozent vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern (Bayern südlich der Donau) 451mm (67 Prozent vom Mittel). Der Niederschlags-/Dürreindex (SPI) der letzten 90 Tage klassifiziert in Teilen von Mittelfranken, Schwaben und Oberbayern extrem trockene Verhältnisse.

Bayern verzeichnete im Juni einige Rekorde:
a) 17-ter zu warmer Juni in Folge im Vergleich zum Mittel 1971 bis 2000,
b) neuer Hitzerekord für Bayern: 40,8°C in Kitzingen am 27.06.2026 (vorläufige DWD-Auswertung),
c) sehr heiße Tage (Tage mit Lufttemperaturen von 35°C und mehr): 11 in Kitzingen und 9 in Würzburg sowie Regensburg,
d) Hitzewelle von 8 bis 14 aufeinanderfolgenden heißen Tagen (Tage mit Lufttemperaturen von 30°C und mehr),
e) Sommertage (Tage mit Lufttemperaturen von 25°C und mehr): von 19 (Hof), über 31 (München, Nürnberg) bis 36 (Regensburg, Kitzingen),
f) 9 Tropennächte in Würzburg und 5 in München (Tage mit einem Lufttemperaturminimum von mindestens 20°C),
g) in der 96-jährigen Messhistorie fiel in dem 4-Monats Zeitraum März bis Juni noch nie so wenig Niederschlag in Südbayern (198mm). In Nordbayern (166 mm) waren die Vergleichszeiträume der Jahre 1976 und 2025 noch trockener.

Fließgewässer:
Die Niederschläge der letzten Tage haben in den betroffenen Gebieten die Abflüsse kurzfristig ansteigen lassen und damit zu einer vorübergehenden Verbesserung der Situation geführt. Trotzdem werden bayernweit verbreitet niedrige Abflüsse registriert. Ca. 62% der Messstellen in Bayern zeigen für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse, an 15% der Messstellen werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (Abb. 3).

Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns hat sich die Situation im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert. An ca. 12% der beobachteten Seen und Speicher werden für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 18% sehr niedrige Wasserstände registriert.

Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu 45 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen sind die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet und der Altmühlsee, dessen Niedrigwasser-Betriebsraum nur zu rd. 45% gefüllt ist. Es kann aufgrund des niedrigen Wasserstands im Altmühlsee aktuell keine Niedrigwasseraufhöhung für die Altmühl bereitgestellt werden.

Am Überleitungssystem Donau-Main wird, da der Mindestabfluss von 140m³/s am Pegel Kehlheimwinzer in der Donau seit 01.07.2026 nun wieder überschritten ist, Wasser aus der Donau zur Überleitung in das Maingebiet verwendet. Aktuell erfolgt die Niedrigwasseraufhöhung in das Maingebiet parallel über den Main-Donau-Kanal, den Rothsee und den Großen Brombachsee. Die derzeitige Abgabe aus dem Rothsee beträgt 5,9m³/s, die Abgabe aus dem Großen Brombachsee wurde von 6,0m³/s auf aktuell 2,3m³/s verringert.

Mit dem Rottachsee wurde vom 26.06. bis 01.07.2026 eine Niedrigwasseraufhöhung für die Iller geleistet, da am Pegel Neu-Ulm/Donau der Grenzwert von 44m³/s unterschritten war. Aufgrund der Niederschläge der letzten Tage ist der Abfluss der Donau an diesem Pegel wieder über den Grenzwert gestiegen, sodass die Niedrigwasseraufhöhung des Rottachsees nun ausgesetzt ist.

Für die Isar leistet der Sylvensteinspeicher seit 19.06.2026 eine Niedrigwasseraufhöhung mit variierenden Mengen. In den letzten Tagen wurde diese ebenfalls aufgrund der gefallenen Niederschläge ausgesetzt und wird aktuell wieder begonnen.

An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 64% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.

Grundwasserstände und Quellschüttungen:
Aktuell weisen rund 69 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 73 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation. In den letzten Wochen wurden, mit Schwerpunkt in Südbayern, vermehrt neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk

Nach dem zu trockenen Jahr 2025 waren auch das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 bis April 2026) sowie die Monate Mai und Juni von Trockenheit geprägt. In der Folge hatte sich im Laufe der Zeit an zahlreichen staatlichen Grundwassermessstellen und Quellen eine sehr ausgeprägte Niedrigwassersituation eingestellt. Die Niederschläge der ersten Wochenhälfte haben die Situation zuletzt etwas gelindert, indem vor allem schnell reagierende Grundwassermessstellen mit geringer Bodenüberdeckung und in Fließgewässernähe einen Anstieg der Messwerte verzeichnen. An den übrigen, langsamer reagierenden Messstellen mit größerer Bodenüberdeckung wird mehrheitlich kein nennenswerter Anstieg der Grundwasserstände beobachtet. Aktuell wird an 69% der Messstellen des oberen Grundwasserstockwerks eine Niedrigwassersituation gemessen (Abb. 2). Zunehmend wurden in den letzten Wochen, mit Schwerpunkt in Südbayern, neue Niedrigstwerte erreicht. Neben den Grundwasserständen sind insbesondere die Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk von Niedrigwasserbedingungen betroffen und zeigen häufig einen Schüttungsrückgang wie sonst in den Herbstmonaten.

Die aktuelle Situation ist, trotz der jüngsten Niederschläge, weiterhin als angespannt zu bezeichnen. Dies wird durch einen Vergleich mit den Bedingungen zum selben Zeitpunkt der letzten fünf Jahre bestätigt: 2021: 31%, 2022: 57%, 2023: 50%, 2024: 4%, 2025: 62%.
Unter Berücksichtigung der Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der üblichen jahreszeitlichen Entwicklung, muss vorerst von bayernweit weiter sinkenden Grundwasserständen ausgegangen werden. Sollten weitere zu trockene Sommer- und Herbstmonate folgen, wird sich die Niedrigwassersituation voraussichtlich weiter verschärfen. Das weitere Geschehen ist genau zu beobachten.

Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken

In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 73% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert (Abb. 2). Die Niederschläge der laufenden Woche führten hier erwartungsgemäß zu keiner Änderung der Situation. Entsprechend setzt sich die Entwicklung hin zu niedrigen Grundwasserständen weiter fort. Vermehrt wurden in den letzten Tagen und Wochen, mit Schwerpunkt Tertiärhügelland, neue Niedrigstwerte registriert.
Besonders betroffen sind derzeit die bereits auffälligen Gebiete Tertiärhügelland und Sandsteinkeuper. Im nördlichen Franken zeigen einzelne Messstellen eine teils ausgeprägte Niedrigwassersituation.

Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren

Aufgrund der zu geringen Niederschlägen der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15% auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.

Trinkwasserversorgung:
Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist gewährleistet. Versorgungsengpässe bei den Abnehmern sind aktuell nicht bekannt. Bei einer Reihe von Quellen und Brunnen der Wasserversorgung werden allerdings geringe bzw. zurückgehende Quellschüttungen und niedrige bzw. sinkende Grundwasserstände beobachtet, die unter den saisonal üblichen Werten liegen. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Situation stabilisiert, jedoch nicht zu einer merklichen Entspannung beim Trinkwasserdargebot geführt. In Einzelfällen wurden Brunnen außer Betrieb genommen, bei Fortdauer der Situation ist mit weiteren Außerbetriebnahmen zu rechnen. Hinweise auf geringe Wasserdargebote zeigen sich aufgrund der Niederschlagssituation der vergangenen Monate besonders in Schwaben, Oberbayern sowie Ostbayern. Bei einigen der dortigen Wasserversorgern ist eine angespannte Situation zu beobachten. Im Hinblick auf die bevorstehenden warmen Sommermonate mit üblicherweise höheren Verbräuchen haben einige Wasserversorger, vor allem wenn diese Quellwasser nutzen, vorsorglich zum Sparen von Trinkwasser aufgerufen und auf Einsparmöglichkeiten, z. B. bei Gartenbewässerung, Verzicht auf Befüllung von Swimmingpools und Autowaschen bzw. Duschen statt Baden, hingewiesen.
Seit dem NID-Lagebericht vom 26.06.2026 wurden Apelle zum Wassersparen von einigen weiteren Wasserversorgern veröffentlicht. Außerdem haben einige Wasserversorger Maßnahmen wie den temporären Bezug von Trinkwasser von leistungsfähigen Nachbarn eingeleitet.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab. Nachdem am vergangenen Hitzewochenende vermehrt Temperatur-Höchstwerte festgestellt wurden, hat der Wetterumschwung bayernweit zu einer gewissen Abkühlung der Gewässer geführt. An rund 70% der Messstellen wird der Temperatur-Orientierungswert für den guten ökologischen Zustand inzwischen wieder eingehalten.
Die lokal teils heftigen Niederschläge bewirkten ein Ansteigen der Wasserführung. Allerdings war dies mit stofflichen Einträgen verbunden, die eine Sauerstoffabnahme bewirkten, wie im Rahmen der Alarmpläne Main und Donau beobachtet werden konnte. Weiterhin klingen diese kurzfristigen Abflusserhöhungen bereits wieder ab – eine nachhaltige Entspannung der Niedrigwasserphase ist nicht eingetreten.
Während zu Wochenbeginn erstmals in beiden Meldebereichen am Main – von Bamberg bis zur Landesgrenze nach Hessen – die Warnstufe „Alarm“ ausgerufen war, befindet sich aktuell lediglich der Bereich zwischen Kahl am Main und Würzburg noch im „Alarm“. Zwischen Würzburg und Bamberg besteht die Warnstufe „Warnung“.
An der Donau wurde der Alarm zwischen Regensburg und Passau zwischenzeitlich aufgehoben. Aktuell besteht eine Warnung für den Bereich Regensburg bis Passau.

Die Zahl trockengefallener, kleiner Gewässer hat weiter zugenommen. Von einer bayernweiten Entspannung diesbezüglich kann bisher nicht gesprochen werden.
Die Gewässerorganismen stehen weiterhin unter Druck. Weitere kleinere Fischsterben in Teichen und Oberläufen wurden gemeldet. Einzelne Rettungsaktionen für Muscheln und Krebse wurden durchgeführt.
Angesichts der aktuellen Wetterprognose ist vorerst von keiner nachhaltigen Entspannung für die Gewässerökologie auszugehen.

Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Der Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Das sommerlich erwärmte Oberflächenwasser wird, wenn es sich wieder auf die Temperatur der tieferen Schichten abgekühlt hat, in den Wasserkörper eingemischt. Je wärmer das Oberflächenwasser eines Sees wird, desto länger dauert es, bis dieser Prozess möglich wird. Dann erst kann ein Transport des Luftsauerstoffs in die Tiefe stattfinden. Die Entwicklung von pflanzlichen und tierischen Organismen ist stark an die Temperatur und die Nährstoffgehalte gekoppelt.
Die Temperaturspitzenwerte, die in vielen Seen während der Hitzewelle im Juni auftraten, sind teilweise durch die etwas kühleren Temperaturen in den vergangenen Tagen etwas zurückgegangen. Dennoch wurde vom Tegernsee und vom Chiemsee ein Allzeithoch gemeldet, der Bodensee ist ebenfalls nahe seiner Juni-Rekordwerte.
Der Wasserstand vieler natürlicher Seen in Bayern befindet sich schon über einen längeren Zeitraum im niedrigen und vermehrt auch im sehr niedrigen Bereich. Ein erster, kleiner See wurde als trockengefallen gemeldet. Das Trockenfallen größerer Uferflächen verringert den Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände, die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Eiablagen, die in der Phase eines höheren Wasserstandes, erfolgt sind, können vertrocknen. Sehr hohe Wassertemperaturen im Flachwasser können alle dort lebenden wenig oder nicht mobile Organismen und deren Entwicklungsstadien schädigen, beispielsweise Muscheln. Die lokalen Starkregenereignisse haben kaum Entspannung gebracht. Damit einhergehende Erosion in der Fläche sowie Regenwasserentlastungen tragen große Nährstoffmengen in Seen ein. In Kombination mit höheren Temperaturen kann das zu starkem Algenwachstum führen. Mögliche Auswirkungen sowie die Folgen für das empfindliche Ökosystem im Flachwasser können im Lauf dieses oder erst der nächsten Jahre erkannt werden.
Starke Algenentwicklungen werden von mehreren hauptsächlich kleineren Seen gemeldet. Zu den bereits bestehenden Blaualgenblüten kommen neue Beobachtungen hinzu. Auch Badewarnungen mehren sich.
Fälle von Zerkarienvorkommen werden an mehreren kleineren Gewässern beobachtet. Diese Parasiten werden von großer Wärme gefördert und können stark juckende Ausschläge verursachen.

Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert die nächsten vier Kalenderwochen (KW 28 bis 31) als zu trocken und zu warm. Diese Einstufungen basieren auf Klimavorhersagen im Vergleich zur Klimaausprägung 2006 bis 2025.

Aufgrund der vorhergesagten Witterung ist in der KW 28 keine weitere Hitzewelle zu erwarten, aber es bleibt sommerlich warm und die prognostizierten Flächenniederschläge fallen sehr gering aus. Die Niedrigwasserlage wird sich weiter fortsetzen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.


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