Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 03.12.19, 16:30 Uhr

Seit Juni 2019 sind sechs Monate aufeinanderfolgend zu warm ausgefallen und nach dem zu nassen Oktober folgte ein zu trockener November. Rund 59 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 89 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation.

Witterung:
Nach dem zu trockenen hydrologischen Sommerhalbjahr mit dem zu nassen Oktober, fiel der November 2019 bayernweit zu trocken aus. So beträgt die November-Niederschlagssumme für das Maingebiet 61mm (92% vom Mittel 1981-2010), für Nordbayern 52mm (77% vom Mittel) und für Südbayern 51mm (64% vom Mittel). Der Dürreindex der letzten 90 Tage klassifiziert nahezu bayernweit normale Verhältnisse, aber die Temperaturbilanz von Juni bis November zeigt den sechsten, aufeinanderfolgend zu warmen Monat.

Fließgewässer:
Bayernweite Niederschläge haben die Abflüsse ansteigen lassen. Niedrige, z. T. sehr niedrige (unterhalb des langjährigen mittleren Abflusses MNQ) Abflüsse werden derzeit vor allem noch im Südosten Bayerns registriert.

Seen und Speicher:
An einigen Seen im Süden Bayerns sind niedrige Wasserstände zu verzeichnen. An den staatlichen Talsperren sind die Betriebsräume zur Niedrigwasseraufhöhung zwischen ca. 54 und 100% gefüllt. Der Betriebsraum für die Niedrigwasseraufhöhung an der Förmitztalsperre beträgt, jahreszeitlich bedingt, etwas über 40%. Die Füllstände der Betriebsräume der restlichen Speicher verteilen sich entsprechend der Niederschläge der vergangenen Monate zu einem leichten Nord-Süd-Gefälle zugunsten Südbayerns. Dieses dürfte auch über die nächsten Wochen, bei unveränderter Wetterlage, bestehen bleiben.
Das Überleitungssystem Donau-Main kann über den Main-Donau-Kanal das Maingebiet planmäßig mit Donauwasser versorgen. Der Rothsee befindet sich derzeit in einer turnusmäßigen Absenkungsphase.
Die Betriebsräume der Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der Jahreszeit entsprechend gefüllt. Die Wasserlieferung an die Fernwasserversorger erfolgt uneingeschränkt.

Grundwasserstände:
Aktuell weisen 59 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen 89 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation. An vielen Messstellen wurden im Jahr 2019 neue Niedrigstwerte registriert. Auf Grund des in weiten Teilen Bayerns zu trockenen Novembers kam es zu einer erneuten Verschärfung der Niedrigwassersituation im oberen Grundwasserstockwerk. So wurden in den letzten Tagen vielerorts die niedrigsten Grundwasserstände des Jahres gemessen. Während üblicherweise die Grundwasserstände Ende November bzw. Anfang Dezember wieder steigen, ist dieser Effekt, mit Ausnahme einzelner Quartärgrundwassermessstellen, bisher weitestgehend ausgeblieben. Besonders betroffen von der aktuellen Niedrigwassersituation sind die Grundwasservorkommen des Tertiärs und der Münchner Schotterebene in Südbayern, sowie die Grundwasservorkommen des Sandsteinkeupers und des Weißjura in Nordbayern.
In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen sich nach wie vor die Auswirkungen der letzten Trockenjahre, insbesondere des Jahres 2018. So bewegte sich im bisherigen Jahresverlauf die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen durchgehend deutlich über 50%. Seit Mitte Juli stagniert der Anteil auf hohem Niveau (> 70%).

Wasserqualität Fließgewässer und Seen:
Die gewässerökologische Situation in unseren Fließgewässern wird maßgeblich durch das Zusammenspiel von Wassertemperatur, Sauerstoff und Abfluss bzw. Wasserstand und Strömung bestimmt. Die Wassertemperaturen sind mit den herbstlichen Witterungsbedingungen in ganz Bayern inzwischen deutlich abgesunken und liegen gewässerökologisch in einem günstigen Bereich. Daher sind trotz der in Teilen Bayerns noch immer niedrigen bis sehr niedrigen Abflüsse keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gewässerökologie mehr zu erwarten.
In den Flussperlmuschelgewässern entspannt sich die Situation zunehmend. Im Laufe des Sommers waren viele Gewässer trockengefallen und Muschelbestände wurden in andere wasserführende Bäche umgesiedelt. Inzwischen werden die Bestände wieder in ihre ursprünglichen Gewässer zurückgebracht.
Am Main liegen keine Meldungen mehr im Rahmen des gewässerökologischen Alarmplanes vor. Der Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur liegen in einem günstigen Bereich.

Die momentan in einigen Seen niedrigen Wasserstände können zu einem Trockenfallen von Uferbänken führen. Somit stehen sie als Lebensraum für die normalerweise dort lebenden Organismen wie Schnecken, Muscheln, Insektenlarven, Wasserpflanzen und Aufwuchsalgen nicht zur Verfügung. Röhrichtbestände, die u.a. als Laichhabitat und Unterstand für Amphibien, Fische und andere Wassertiere fungieren, können vom Wasser abgeschnitten werden. Welche Auswirkungen diese Trockenperioden auf die in diesen Bereichen lebenden Tier- und Pflanzengesellschaften haben werden, wird sich erst bei zukünftigen Untersuchungen herausstellen. Die See-Temperaturen sind nochmals abgekühlt. Eine Vollzirkulation war bisher allerdings noch nicht in allen Seen möglich. Die Sauerstoffsituation in den tieferen Wasserschichten kann daher gerade in nährstoffreicheren Seen weiter angespannt sein.

Ausblick:
Gemäß DWD-Vorhersagen wird das derzeitige trockene Hochdruckwetter ab dem 06.12. zunächst durch eine Westlage mit durchziehenden Tiefdruckgebieten abgelöst. Bis zum Jahreswechsel ist das Bild uneinheitlich, d.h. nach derzeitiger Prognose sollen die Kalenderwochen 49 sowie 52 zu trocken und die Kalenderwochen 50 sowie 51 zu nass ausfallen. Die Niedrigwasserlage wird sich nicht grundlegend ändern.


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