Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 06.11.20, 14:30 Uhr

Das hydrologische Sommerhalbjahr fiel in Nordbayern zu trocken und in Südbayern zu nass aus. Rund 34 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 73 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation.

Witterung:
Der Niederschlag summierte sich im gerade zu Ende gegangenen hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai bis 31. Oktober 2020) auf 357mm im Maingebiet (88% vom Mittel 1971-2000), auf 410mm in Nordbayern (94% vom Mittel) und auf 717mm in Südbayern (108% vom Mittel). So ist im Maingebiet nur halb so viel Niederschlag gefallen als in Südbayern und Unterfranken weist das höchste Niederschlagsdefizit auf (Abb. 2). Nach dem bayernweit zu nassen Oktober (Abb. 1) und den zeitweiligen Regenfällen Anfang November, zeigt der Dürreindex der letzten 90 Tage keine Auffälligkeiten. Für nahezu ganz Bayern bestehen normale (mittlere) Verhältnisse. Die bisherige Temperaturbilanz des Jahres 2020 beeindruckt durch neun zu warme Monate – nur der Juni 2020 war im langjährigen Vergleich (1971-2000) zu kalt. Die Zahl der Sommertage fiel überdurchschnittlich aus und reichte von 26 (Hof) bis 66 (Würzburg). Auch die Anzahl der heißen Tage lag über dem Mittel 1971-2000 und summierte sich auf 7 (Hof) bis 15 (Würzburg).

Fließgewässer:
Die Niederschläge im Oktober haben bayernweit, aber vor allem im Bereich der Alpen und des Alpenvorlandes sowie im Bayerischen Wald und den nördlichen Mittelgebirgen, für steigende Abflüsse und für zumindest vorübergehende Entspannung an den Fließgewässern gesorgt. Derzeit werden niedrige und z. T. sehr niedrige Abflüsse (d. h. der langjährige mittlere Niedrigwasserabfluss wird unterschritten) vor allem im Bereich nördlich der Donau mit Ausnahme der nördlichen Mittelgebirge und des Bayerischen Waldes registriert. Günstiger ist die Abflusssituation an Fließgewässerabschnitten, die durch Speicherabgaben gestützt werden. Eine solche Abflusserhöhung erfolgt z. B. an der Rednitz/Regnitz durch Abgaben aus dem Roth- sowie Brombachsee. Aufgrund der zunächst ausbleibenden Niederschläge infolge der Hochdrucksituation werden die Abflüsse wieder langsam zurückgehen.

Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns werden derzeit keine Niedrigwasserstände beobachtet.
An den staatlichen Talsperren sind die Betriebsräume zur Niedrigwasseraufhöhung zwischen 63 und 100% gefüllt. Die Seestände liegen, der Jahreszeit entsprechend, auf einem guten Niveau. Im Vergleich zum November des Vorjahres überschreiten fast alle Seepegel den letztjährigen Stand. Es darf von einer Konsolidierung der Betriebsräume gegenüber den Sommern 2018 und 2019 gesprochen werden. Aufgrund der vergleichsweise höheren Niederschläge des Jahres 2020, mussten die Speicher nicht in dem Umfang der Vorjahre zur Niedrigwasseraufhöhung herangezogen werden. Deutlich wird es bei den Trinkwassertalsperren, die aktuell einen um1,05 bzw. 1,65m höheren Seewasserstand zeigen. Die Umstellung auf die Winterstauziele ist abgeschlossen.
Das Überleitungssystem Donau-Main mit dem Rothsee kann derzeit über den Main-Donau-Kanal mit Donauwasser versorgt werden, da der Pegel bei Kelheimwinzer über der festgelegten Mindestwasserführung liegt. Die Sperrzeiten für den Pumpbetrieb sind noch in Kraft.
Die Betriebsräume der Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der momentanen Wettersituation entsprechend gefüllt. Die Wasserlieferung an die Fernwasserversorger erfolgt uneingeschränkt.

Grundwasserstände:
Im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971-2000 fielen in Bayern die Niederschlagsmengen im hydrologischen Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) nahezu durchschnittlich aus (Abb. 2). Während es in Nordbayern etwas zu trocken war, regnete es in Südbayern etwas mehr als im langjährigen Mittel. Dieses Muster zeigt sich auch bei der derzeitigen bayernweiten Verteilung der als niedrig klassifizierten Messstellen im oberen Grundwasserstockwerk im NID.
Nach den deutlich zu trockenen Monaten März bis Mai, erreichte die Niedrigwassersituation im oberen Grundwasserstockwerk Anfang Juni (rd. 71%) ein Maximum. Im weiteren Verlauf wechselten sich trockene und feuchte Monate ab, so dass sich der Anteil niedrig klassifizierter Messstellen bis Anfang November relativ stabil zwischen 30% und 50% bewegte (Abb. 2). Die zwischenzeitlichen Erholungsphasen beschränkten sich auf überwiegend schnell regenerierende Grundwasservorkommen entlang der Fließgewässer, sowie auf Grundwasservorkommen mit geringer Überdeckung.
An vielen fließgewässerfernen Grundwassermessstellen werden aber nach wie vor sehr niedrige Grundwasserstände, bzw. vermehrt auch neue Niedrigstwerte registriert. Besonders betroffen sind Messstellen im fränkischen und schwäbischen Jura, in der oberen Süßwassermolasse zwischen Alpenvorland und Donau sowie zum Teil im fränkischen Sandsteinkeuper.
Über ganz Bayern betrachtet liegt aktuell der Anteil (rd. 34%) der niedrig klassifizierten Messstellen im Vergleich zu den Vorjahren unter dem Niveau von 2019 (rd. 48%) und deutlich unter dem Niveau von 2018 (rd. 72%).
Die Grundwassermessstellen der tieferen Grundwasserstockwerke weisen bereits seit dem Trockenjahr 2015 mehrheitlich niedrige Grundwasserstände auf. Erwartungsgemäß zeigten sie auch nur eine geringe Reaktion auf die bisherigen Niederschläge im Jahr 2020. Die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen beträgt derzeit 74%.
Aufgrund der zu geringen Niederschläge der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein Defizit auf. Durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre (2015, 2018, 2019) kann dieses Defizit nicht durch einzelne regenreiche Wochen ausgeglichen werden. Insbesondere (Stark-)Niederschläge in hoher Menge und kurzer Dauer fließen auf ausgetrockneten Böden teilweise direkt wieder an der Oberfläche ab. In Kombination mit der hohen Pflanzenverdunstung im Sommerhalbjahr (Mai-Oktober) stehen die Niederschläge für eine Auffüllung der Grundwasservorräte daher nur zu einem vergleichsweise geringen Anteil zur Verfügung. Für eine nachhaltige Auffüllung auch in fließgewässerfernen Grundwasservorkommen sind weitere ausgeprägte Niederschläge über einen deutlich längeren Zeitraum, speziell im Winterhalbjahr (November bis April), von Nöten.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die gewässerökologische Situation ist im Hinblick auf mögliche Auswirkungen von Niedrigwasser gegenwärtig als unauffällig anzusehen. Zwar weisen einzelne Fließgewässer noch immer sehr geringe Abflüsse auf, aber durch die herbstliche Witterung und bei niedrigen Temperaturen sind hier keine kritischen ökologischen Bedingungen zu erwarten.
Der Wasserstand bei den großen Seen liegt im normalen Bereich und die der Jahreszeit entsprechenden Wassertemperaturen lassen keine ökologischen Beeinträchtigungen der Wasserqualität erwarten.

Ausblick:
In den nächsten 14 Tagen sorgt weitgehend beständiges Hochdruckwetter für einen trockenen Witterungsabschnitt bei Höchsttemperaturen zwischen 8 bis 13°C. Anschließend werden bis Anfang Dezember mittlere Niederschlagsverhältnisse prognostiziert. Dadurch kann wieder vermehrt Niedrigwasser entstehen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nord- und Südbayern im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.2: Gebietsniederschläge des hydrologischen Jahres (01.11.2019 bis 31.12.2020), des Winterhalbjahres (WHJ) und des Sommerhalbjahres (SHJ) für Bayern und die Regierungsbezirke: Darstellung als absolute Niederschlagssummen [mm] und als relative Abweichungen [%] zum Mittel des Referenzeitraums 1971-2000. Datenquelle: DWD (REGNIE), Datenaufbereitung: LfU/KliZ.



Abb.3: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk im Verlauf der letzten 2 Jahre.




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