Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 30.07.20, 14:00 Uhr

Der bisherige Juli fällt vor allem in Nordbayern zu trocken aus. In Südbayern gab es durchschnittliche Niederschlagswerte. Rund 54 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 78 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation.

Witterung:
Die Niederschlagssumme im bisherigen hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai bis 29. Juli 2020) erreicht in Nordbayern 195mm (83% vom Mittel 1971 bis 2000) und in Südbayern 378mm (103% vom Mittel). Die Tiefdruckgebiete der letzten Wochen brachten vor allem Südbayern immer wieder schauerartige Niederschläge. Nur in Teilen von Unter- und Mittelfranken sowie in Schwaben, zeigt der Dürreindex der letzten 90 Tage größere trockene Bereiche. Im bisherigen Juli wurden überdurchschnittlich viele Sommertage (>25°C) registriert (z.B. Würzburg 18 Sommertage) die heißen Tage (>30°C) sind eher durchschnittlich.

Fließgewässer:
Nennenswerte Niederschläge in den letzten Wochen fielen vor allem an den Alpen und im Alpenvorland. Nördlich davon betrugen die Niederschläge mit Ausnahme lokaler Starkregen vielfach nur wenige mm. Die Niedrigwassersituation hat sich nördlich des Alpenvorlandes in den letzten 2 Wochen weiter verstärkt. Hier werden nahezu flächendeckend niedrige oder sehr niedrige Abflüsse (d.h. der langjährige mittlere Niedrigwasserabfluss wird unterschritten) registriert. An einzelnen Pegeln bewegen sich die Abflüsse im Bereich des niedrigsten bisher gemessenen Tageswertes (NQ). Günstiger ist die Abflusssituation an Fließgewässerabschnitten, die durch Speicherabgaben gestützt werden. Eine solche Abflusserhöhung erfolgt z. B. an der Rednitz/Regnitz durch Abgaben aus dem Roth- sowie Brombachsee. Bei weiterem Ausbleiben nachhaltiger Niederschläge werden die Abflüsse weiter abnehmen und /oder auf niedrigem Niveau verharren, so dass die Niedrigwassersituation weiter anhält.


Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns werden derzeit keine Niedrigwasserstände beobachtet.
An den staatlichen Talsperren sind die Betriebsräume zur Niedrigwasseraufhöhung zwischen 84 und 100 % gefüllt. Die Füllstände der Betriebsräume für die Niedrigwasseraufhöhung befinden sich daher auf einem guten Niveau. In den nächsten Tagen werden sich die Seepegel, entsprechend der Wetterprognosen, leicht verändern.

Das Überleitungssystem Donau-Main mit dem Rothsee wird derzeit über den Main-Donau-Kanal mit Donauwasser versorgt, da der Durchschnittswert des Vortages für die Wasserführung in der Donau über der festgelegten Entnahmegrenze liegt.

Die Betriebsräume der Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der momentanen Wettersituation entsprechend gefüllt. Die Wasserlieferung an die Fernwasserversorger erfolgt uneingeschränkt.

Grundwasserstände:
Die Niedrigwassersituation im oberen Grundwasserstockwerk erreichte im Jahr 2020 jeweils Ende Januar (rd. 84%) und Anfang Juni (rd. 71%) ein Maximum. Ausgeprägte Niederschläge im Februar und Mitte Juni führten im Anschluss zu einer vorübergehenden Erholung der Situation.
Diese Erholungsphasen beschränkten sich jedoch auf überwiegend schnell regenerierende Grundwasservorkommen entlang der Fließgewässer sowie auf Grundwasservorkommen mit geringer Überdeckung und erwiesen sich als nicht nachhaltig. Nach wie vor werden an vielen fließgewässerfernen Grundwassermessstellen sehr niedrige Grundwasserstände, bzw. vereinzelt auch neue Niedrigstwerte registriert. Besonders betroffen sind derzeit viele Messstellen im fränkischen und schwäbischen Jura, der oberen Süßwassermolasse zwischen Alpenvorland und Donau sowie des Sandsteinkeupers in Mittelfranken.
Im Mittel entsprechen die aktuellen Grundwasserstände und Quellschüttungen in Bayern den Werten der vorangegangenen Trockenjahre. So betrug der Anteil der als niedrig klassifizierten Messstellen zum 29.07.2018 rd. 53% und zum 29.07.2019 rd. 48%.

Aufgrund der insgesamt zu geringen Niederschläge in den letzten Jahren weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein Defizit auf. Besonders durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre (2015, 2018, 2019) kann dieses Defizit nicht durch einzelne regenreiche Wochen ausgeglichen werden. Insbesondere (Stark-)Niederschläge in hoher Menge und kurzer Dauer fließen auf ausgetrockneten Böden teilweise direkt wieder an der Oberfläche ab. In Kombination mit der hohen Pflanzenverdunstung im Sommerhalbjahr (Mai-Oktober) stehen die Niederschläge für eine Auffüllung der Grundwasservorräte daher nur zu einem vergleichsweise geringen Anteil zur Verfügung. Für eine nachhaltige Auffüllung auch in fließgewässerfernen Grundwasservorkommen sind weitere ausgeprägte Niederschläge über einen deutlich längeren Zeitraum von Nöten.

Die Grundwassermessstellen der tieferen Grundwasserstockwerke weisen bereits seit dem Trockenjahr 2015 mehrheitlich niedrige Grundwasserstände auf. Erwartungsgemäß zeigten sie auch nur eine geringe Reaktion auf die ausgeprägten Februar- und Juniniederschläge im laufenden Jahr 2020. Die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen beträgt derzeit 78%.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die gewässerökologische Situation in unseren Fließgewässern wird maßgeblich durch das Zusammenspiel von Wassertemperatur, Sauerstoff und Abfluss bzw. Wasserstand und Strömung bestimmt.
Die Messwerte für die Wassertemperaturen können als jahreszeitlich typisch angesehen werden. Insbesondere im südlichen Bayern werden aber inzwischen an einigen Flüssen Wassertemperaturen registriert, die Überschreitungen der gesetzlichen Vorgaben (Orientierungswerte) für die Fischlebensgemeinschaften darstellen. Durch die immer noch relativ kühlen Nächte ist aber nicht mit Beeinträchtigungen für die Gewässerökologie zu rechnen. Die Lebensgemeinschaften unserer Gewässer sind grundsätzlich an einen Jahresgang der Wassertemperatur angepasst.
An der Messstation Kahl am Main wurden in den letzten Tagen leicht abnehmende Sauerstoffwerte gemessen. Der Sauerstoffgehalt im Wasser schwankt im Tagesverlauf auf Grund biologischer Prozesse wie Photosynthese und nächtlichen Zehrungsvorgängen. Nachts wurde in den letzten Tagen der Schwellenwert des Alarmplans Main für Sauerstoff geringfügig unterschritten. Ähnliche Entwicklungen wurden auch bei Pfelling an der Donau gemessen.
Im Rahmen der gewässerökologischen Alarmplänen Main und Donau haben die Wasserwirtschaftsämter ihre Überwachungsaktivitäten intensiviert.
Die Seen weisen inzwischen, nach einer z.T. lange andauernden Niedrigwassersituation in diesem Jahr, normale Wasserstände auf. Ökologische Auffälligkeiten wie z.B. übermäßige Algenblüten oder Sauerstoffmangel sind daher bisher noch nicht zu verzeichnen.

Ausblick: Gemäß der 4-Wochen Vorhersage des DWD werden keine signifikanten Abweichungen der Niederschlagsmengen von den Normalwerten vorhergesagt. Insgesamt überwiegen jedoch weiterhin eher trockene Witterungsabschnitte. Dadurch kann sich die Niedrigwasserlage weiterhin fortsetzen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nord- und Südbayern im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk im Verlauf der letzten 2 Jahre.




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