Niedrigwasser-Lagebericht Bayern
Ausgegeben am 10.07.26, 14:30 Uhr
Das Niederschlagsdefizit des laufenden Abflussjahres beträgt für Bayern rund 32 Prozent. Aktuell zeigen 77 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen und 74 Prozent der Messstellen der tieferen Grundwasserstockwerke niedrige Verhältnisse.
Witterung:
Der Juni ist markant zu warm (4,5°C über dem Lufttemperaturmittel 1971 bis 2000) und etwas zu trocken ausgefallen. Am 01. und 05. Juli folgten regionale Starkregenfälle in Südbayern, aber seither dominiert wieder Trockenwetter. Insgesamt sind nun schon 4,5 Monate aufeinanderfolgend zu trocken (s. Abb. 1). Die Niederschlagssumme des bisherigen Abflussjahres (01.11.2025 bis 09.07.2026) beträgt für Nordbayern (Bayern nördlich der Donau 375mm (69 Prozent vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern (Bayern südlich der Donau) 463mm (66 Prozent vom Mittel). Der Niederschlags-/Dürreindex (SPI) der letzten 90 Tage klassifiziert in Teilen von Unterfranken, Mittelfranken, Schwaben und Oberbayern extrem trockene Verhältnisse.
Das bisherige Sommerhalbjahr fällt deutlich zu warm aus und dies belegen auch die charakteristischen Kenngrößen. Die Spannweite der Sommertage (Tage mit Lufttemperaturen von 25°C und mehr) reicht von 20 (Hof) bis 43 (Regensburg, Kitzingen). Dies sind 8 bis 15 Tage mehr als im langjährigen Mittel. Die Zahl der heißen Tage (Tage mit Lufttemperaturen von 30°C und mehr) übersteigt das Mittel um das Drei- bis Vierfache: Hof (8 heiße Tage) und Kitzingen (23 heiße Tage). Insgesamt gab es auch schon 1 (Augsburg) bis 11 (Kitzingen) sehr heiße Tage mit Lufttemperaturen von mehr als 35°C. Die Bilanz der Tropennächte hat sich im Vergleich zur Vorwoche nicht verändert: 9 Tropennächte in Würzburg und 5 in München (Tage mit einem Lufttemperaturminimum von mindestens 20°C).
Fließgewässer:
Die Abflüsse an den bayerischen Flüssen sind nach der kurzen Niederschlagsphase Anfang Juli wieder deutlich zurückgegangen und weiterhin abnehmend. Es werden bayernweit für die Jahreszeit niedrige Abflüsse registriert. Ca. 60% der Messstellen zeigen aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) und werden als sehr niedrig eingestuft.
Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns werden an ca. 24% der beobachteten Seen und Speicher für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 24% sehr niedrige Wasserstände registriert, bei überwiegend weiter fallender Tendenz der Wasserstände. Die Anfang Juli gefallenen Niederschläge hatten kurzzeitig zu geringfügigen Anstiegen der Seewasserstände geführt, die mittlerweile wieder aufgezehrt wurden.
Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu rd. 41 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen sind die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet und der Altmühlsee, dessen Niedrigwasser-Betriebsraum derzeit nur zu rd. 41% gefüllt ist. Es kann aufgrund des niedrigen Wasserstands im Altmühlsee aktuell keine Niedrigwasseraufhöhung für die Altmühl bereitgestellt werden.
Am Überleitungssystem Donau-Main wird, da der Mindestabfluss von 140m³/s am Pegel Kehlheimwinzer seit dem 06.07.2026 wieder unterschritten ist, aus der Donau kein Wasser zur Überleitung in das Maingebiet verwendet. Die Niedrigwasseraufhöhung in das Maingebiet erfolgt aktuell über den Rothsee und den Großen Brombachsee. Die derzeitige Abgabe aus dem Rothsee beträgt 4,1m³/s und aus dem Großen Brombachsee 6,0m³/s. Die Bewirtschaftung des Überleitungssystems wird aktuell Schritt für Schritt umgestellt, sodass die Überleitung dann hauptsächlich durch den Großen Brombachsee erfolgen wird. Der Niedrigwasserraum des Großen Brombachsees ist aktuell zu rd. 76% gefüllt.
Mit dem Rottachsee wird seit dem 10.07.2026 wieder Niedrigwasseraufhöhung für die Iller geleistet, da am Pegel Neu-Ulm in der Donau der Grenzwert von 44m³/s erneut unterschritten wurde.
Für die Isar leistet der Sylvensteinspeicher seit dem 19.06.2026 Niedrigwasseraufhöhung mit variierenden Mengen. Seit einigen Tagen ist die Abgabe konstant bei rd. 13,5m³/s. Der Niedrigwasserraum des Sylvensteinspeichers ist aktuell zu rd. 53% gefüllt.
Seit dem 06.06.2026 wird auch durch die Förmitztalsperre Niedrigwasseraufhöhung für die Förmitz durchgeführt. Dabei werden rd. 0,5m³/s an das Fließgewässer abgegeben.
An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 62% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.
Grundwasserstände und Quellschüttungen:
Aktuell weisen rund 77 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 74 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation.
Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk
Nach dem zu trockenen Jahr 2025, waren auch das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 – April 2026) sowie die Monate Mai und Juni von Trockenheit geprägt. In der Folge hatte sich im Laufe der Zeit an zahlreichen staatlichen Grundwassermessstellen und Quellen eine sehr ausgeprägte Niedrigwassersituation eingestellt. Die Niederschläge der ersten Juliwoche hatten die Situation zuletzt etwas gelindert, indem vor allem schnell reagierende Grundwassermessstellen mit geringer Bodenüberdeckung und in Fließgewässernähe einen vorübergehenden Anstieg der Messwerte verzeichneten. An den übrigen, langsamer reagierenden Messstellen mit größerer Bodenüberdeckung wurde hingegen kein nennenswerter Anstieg der Grundwasserstände beobachtet.
Aktuell wird an 77% der Messstellen des oberen Grundwasserstockwerks eine Niedrigwassersituation gemessen (Abb. 2). Zunehmend wurden in den letzten Wochen, mit Schwerpunkt in Südbayern, neue Niedrigstwerte erreicht. Neben den Grundwasserständen sind insbesondere die Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk von Niedrigwasserbedingungen betroffen und zeigen häufig einen Schüttungsrückgang wie sonst in den Herbstmonaten.
Die aktuelle Situation ist weiterhin als angespannt zu bezeichnen. Dies wird durch einen Vergleich mit den Bedingungen zum selben Zeitpunkt der letzten fünf Jahre bestätigt: 2021: 27%, 2022: 62%, 2023: 58%, 2024: 4%, 2025: 55%.
Unter Berücksichtigung der Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der üblichen jahreszeitlichen Entwicklung, muss vorerst von bayernweit weiter sinkenden Grundwasserständen ausgegangen werden. Sollten weitere zu trockene Sommer- und Herbstmonate folgen, wird sich die Niedrigwassersituation weiter verschärfen. Das weitere Geschehen ist genau zu beobachten.
Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken
In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 74% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert (Abb. 2). Die Niederschläge Anfang Juli führten hier erwartungsgemäß zu keiner Änderung der Situation. Entsprechend setzt sich die Entwicklung hin zu niedrigen Grundwasserständen weiter fort. Vermehrt wurden in den letzten Tagen und Wochen, mit Schwerpunkt Tertiärhügelland, neue Niedrigstwerte registriert.
Besonders betroffen sind derzeit die bereits auffälligen Gebiete Tertiärhügelland und Sandsteinkeuper. Im nördlichen Franken zeigen einzelne Messstellen eine teils ausgeprägte Niedrigwassersituation.
Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren
Aufgrund der zu geringen Niederschlägen der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15% auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.
Trinkwasserversorgung:
Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist gewährleistet. Versorgungsengpässe bei den Abnehmern sind aktuell nicht bekannt. Bei einer Reihe von Quellen und Brunnen der Wasserversorgung werden allerdings geringe bzw. zurückgehende Quellschüttungen und niedrige bzw. sinkende Grundwasserstände beobachtet, die unter den saisonal üblichen Werten liegen. Die Niederschläge Anfang Juli haben die Situation vorübergehend stabilisiert, jedoch nicht zu einer merklichen Entspannung beim Trinkwasserdargebot geführt. In Einzelfällen wurden Brunnen außer Betrieb genommen. bei Fortdauer der Situation ist mit weiteren Außerbetriebnahmen zu rechnen. Hinweise auf geringe Wasserdargebote zeigen sich aufgrund der Niederschlagssituation der vergangenen Monate besonders in Schwaben, Oberbayern sowie Ostbayern, nun aber auch in Bereichen Nordbayerns. In den letzten Tagen sind vor allem im südlichen Schwaben, z.B. im Landkreis Ostallgäu, die Dargebote einiger kleiner Wasserversorger merklich rückläufig. Beim Trinkwasserbedarf waren dagegen im Allgemeinen seit Ende der Hitzewelle Ende Juni Rückgänge der (Spitzen-)Abgabemengen zu sehen. Bei einigen Wasserversorgern ist eine angespannte Situation zu beobachten. Im Hinblick auf die bevorstehenden warmen Sommermonate mit üblicherweise höheren Verbräuchen haben einige Wasserversorger, vor allem wenn diese Quellwasser nutzen, vorsorglich zum Sparen von Trinkwasser aufgerufen und auf Einsparmöglichkeiten, z. B. bei Gartenbewässerung, Verzicht auf Befüllung von Swimmingpools und Autowaschen bzw. Duschen statt Baden, hingewiesen. Seit dem letzten NID-Lagebericht vom 03.07.2026 riefen einige weitere Wasserversorger zum Wassersparen auf, darunter in einigen Fällen auch Versorger mit größeren Wasserabgaben. Außerdem haben einige Wasserversorger Maßnahmen wie den temporären Bezug von Trinkwasser von leistungsfähigen Nachbarn eingeleitet. In Einzelfällen haben Wasserversorger Allgemeinverfügungen erlassen, die z.B. die Befüllung von Swimmingpools, das Autowaschen, die Gartenbewässerung und die Bewässerung von Sport- und Grünflächen vorerst untersagen.
Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab.
Die moderaten Temperaturen der vergangenen Tage haben zu einer weiteren Abkühlung der Gewässer geführt. Aktuell halten 88% der Messstellen den Orientierungswert ein. Die Sauerstoffgehalte in den Gewässern haben sich ebenfalls wieder normalisiert oder auf moderat niedrigem Niveau stabilisiert. Nach den Regenfällen Anfang Juli ist die kurze Zunahme der Abflüsse bereits wieder abgeklungen.
An Main und Donau konnten inzwischen die Warnungen und Alarme wieder aufgehoben werden.
Weiterhin werden trockengefallene Gewässerabschnitte an kleinen Gewässern gemeldet. In Einzelfällen erfolgten Abfischungen von Gewässerabschnitten, um die Fische in günstigere Bereiche umzusetzen.
Angesichts der aktuellen Wetterprognose ist vorerst von keiner nachhaltigen Entspannung für die Gewässerökologie auszugehen.
Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Der Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Das sommerlich erwärmte Oberflächenwasser muss sich in der kälteren Jahreszeit wieder auf die Temperatur der tieferen Schichten abkühlen, zumeist auf nahe 4°C. Damit wird eine Zirkulation bzw. Durchmischung des Wasserköpers und damit der Transport des Luftsauerstoffs in die Tiefe ermöglicht. Je wärmer und mächtiger die oberflächliche Wasserschicht eines Sees wird, desto länger dauert es, bis dieser Prozess möglich wird. Die Entwicklung von pflanzlichen und tierischen Organismen ist stark an die Temperatur und die Nährstoffgehalte gekoppelt.
Die Temperaturspitzenwerte, die in vielen Seen während der Hitzewelle im Juni auftraten, sind teilweise durch die etwas kühleren Temperaturen in den vergangenen Tagen etwas zurückgegangen. Dennoch wurde vom Tegernsee und vom Chiemsee ein Allzeithoch gemeldet, der Bodensee ist ebenfalls nahe seiner Juni-Rekordwerte. Die Mächtigkeit der warmen Oberflächenschicht ist ebenfalls schon groß, z.T. bis 5 m Wassertiefe.
Der Wasserstand vieler natürlicher Seen in Bayern befindet sich schon über einen längeren Zeitraum im niedrigen und vermehrt auch im sehr niedrigen Bereich mit weiter sinkender Tendenz. Das Trockenfallen größerer Uferflächen verringert den Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände, die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Eiablagen, die in der Phase eines höheren Wasserstandes, erfolgt sind, können vertrocknen. Sehr hohe Wassertemperaturen im Flachwasser können alle dort lebenden wenig oder nicht mobile Organismen und deren Entwicklungsstadien schädigen, beispielsweise Muscheln. Die lokalen Starkregenereignisse haben kaum Entspannung gebracht. Damit einhergehende Erosion in der Fläche sowie Regenwasserentlastungen tragen große Nährstoffmengen in Seen ein. In Kombination mit höheren Temperaturen kann das zu starkem Algenwachstum führen. Mögliche Auswirkungen sowie die Folgen für das empfindliche Ökosystem im Flachwasser können im Lauf dieses oder erst der nächsten Jahre erkannt werden.
Starke Algenentwicklungen werden von mehreren Seen gemeldet. Zu den bereits bestehenden Blaualgenblüten kommen neue Beobachtungen hinzu. Auch Badewarnungen mehren sich. Die Situation verschärft sich weiter. Fälle von Zerkarienvorkommen werden an mehreren kleineren Gewässern beobachtet. Diese Parasiten werden von großer Wärme gefördert und können stark juckende Ausschläge verursachen.
Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert die nächsten vier Kalenderwochen (KW 29 bis 32) als zu warm und überwiegend zu trocken. Lediglich die KW 30 soll bezüglich des Niederschlags normale Verhältnisse aufweisen. Diese Einstufungen basieren auf Klimavorhersagen im Vergleich zur Klimaausprägung 2006 bis 2025.
Aufgrund der vorhergesagten Witterung ist mit einer weiteren Hitzewelle und weiter anhaltendem Trockenwetter zu rechnen. Dadurch wird sich die Niedrigwasserlage verschärfen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.3: Karolinenwehr in Landsberg am Lech. Am 09.07.2026 waren Teile des vierstufigen Überfallwehrs trockengefallen.
