- Startseite >
- Lage >
- Bayern
Niedrigwasser-Lagebericht Bayern
Ausgegeben am 02.06.26, 13:30 Uhr
Nach dem Winterhalbjahr ist auch der Mai zu trocken ausgefallen. Aktuell zeigen 86 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 78 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse.
Witterung:
Das hydrologische Winterhalbjahr (Nov 2025 bis April 2026) hatte ein Niederschlagsdefizit von ca. 33 Prozent und auch der Mai 2026 ist zu trocken ausgefallen (s. Abb. 1). Für Nordbayern (Bayern nördlich der Donau) summierte sich der Mainiederschlag auf 51mm (76% vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern auf 57mm (58% vom Mittel). In der 76-jährigen Datenreihe waren nur die südbayerischen Maimonate der Jahre 2008, 1997, 1977 und 1992 noch trockener (für Nordbayern sind 25 noch trockenere Mainmonate verzeichnet). Der Niederschlags-/Dürreindex (SPI) der letzten 90 Tage klassifiziert weite Teile Schwabens, Oberbayerns und Niederbayerns als extrem trocken.
Der Mai begann relativ kühl, wies einen Kaltlufteinbruch zu den Eisheiligen auf und endete mit sommerlich warmen bis heißen Tagen. So viele Mai-Sommertage (Tage mit Lufttemperaturen von 25°C und mehr) hatte es bei vielen Stationen in der bisherigen Messhistorie noch nicht gegeben, z.B. Augsburg 11 und Regensburg 15 Sommertage. Die Zahl der heißen Tage (Tage mit Lufttemperaturen von 30°C und mehr) variierte von 0 (Hof), über 1 (Augsburg) bis 8 (Regensburg). Regensburg verzeichnete die erste Hitzewelle des Jahres mit 5 aufeinander folgenden heißen Tagen.
Fließgewässer:
Die Niedrigwasserlage setzt sich bayernweit unverändert fort. Anfang Juni 2026 zeigen ca. 67% der Messstellen in Bayern für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse, an 19% der Messstellen werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (Abb. 3).
Die mittleren monatlichen Abflüsse werden exemplarisch für das Flussgebiet der Fränkischen Saale am Pegel Wolfsmünster und die Donau am Pegel Donauwörth dargestellt (Abb. 4 und 5). Im Vergleich der letzten Monate lagen die Monatsmittelwerte stets deutlich unter dem langjährigen Mittel, nur der Februar war etwas abflussstärker. Der Mai 2026 zeigt dabei, wie schon zuvor der März und April, deutlich zu niedrige Abflussverhältnisse, wobei dies im Süden Bayerns noch etwas ausgeprägter ist.
Seen und Speicher:
Anfang Juni 2026 werden an ca. 29% der beobachteten Seen und Speicher für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 18% sehr niedrige Wasserstände registriert.
Die mittleren monatlichen Wasserstände werden exemplarisch für den Chiemsee am Pegel Stock dargestellt (Abb. 6). Die Wasserstände der letzten Monate lagen stets unter den langjährigen Monatsmitteln, nur im März wurden Wasserstände im Bereich des langjährigen Mittelwertes registriert. Im Jahr 2026 lagen die Monatsmittelwerte in den Monaten Januar und Februar sowie April und Mai deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Mit einem mittleren Wasserstand von nur 51cm wurde im Mai 2026 sogar ein neuer Niedrigstwert für diesen Monat erreicht. Ein Blick auf die Monatsminima (niedrigster Tagesmittelwert) zeigt zudem, dass Ende Mai 2026 mit einem Wasserstand von 45cm der bisher niedrigste Tagesmittelwert für den Mai erfasst wurde. Der niedrigste beobachtete Tagesmittelwert liegt mit 25 cm aber noch deutlich darunter.
Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu rd. 70 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen ist die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet.
Am Überleitungssystem Donau-Main liegt planmäßiger Regelbetrieb vor. Das Überleitungssystem Donau-Main versorgt somit derzeit über den Main-Donau-Kanal unter Mitwirkung des Rothsees das Maingebiet mit Donauwasser.
An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 70% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.
Grundwasserstände und Quellschüttungen:
Zum Ende des Frühjahrs 2026 weisen rund 78 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 71 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation. Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert, welche im Südosten Bayerns auch häufiger auftreten.
Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk
Das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 – April 2026) sowie der Monat Mai waren von einer deutlichen Trockenheit geprägt, so dass sich die Entwicklung hin zu vermehrt niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserständen fortsetzte. Zum Ende des Frühjahrs wird an rund drei Viertel (78%) der Messstellen eine, teils ausgeprägte, Niedrigwassersituation gemessen (Abb. 2). Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert, welche im Südosten Bayerns zwischenzeitlich auch gehäufter auftreten. Die Ausgangslage zu Beginn des meteorologischen Sommers (Juni bis August) ist daher als angespannt zu bezeichnen. Dies wird auch beim Vergleich mit den Bedingungen zum Sommeranfang der Vorjahre bestätigt. Lediglich Ende Mai 2020 wurde eine annähernd vergleichbar ungünstige Ausgangslage registriert, als an rd. 71% der Messstellen des obersten Grundwasserstockwerks eine Niedrigwassersituation vorherrschte. Insbesondere Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk sind von den Niedrigwasserbedingungen betroffen und zeigen häufig einen Schüttungsrückgang wie sonst in den Herbstmonaten. Aktuell muss, unter Berücksichtigung der Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der üblichen jahreszeitlichen Entwicklung, von bayernweit weiter sinkenden Grundwasserständen ausgegangen werden. Sollten die Sommer- und Herbstmonate zu warm und zu trocken ausfallen, wird sich die derzeitige Niedrigwassersituation im Grundwasser weiter verschärfen. Die weitere Entwicklung ist daher genau zu beobachten.
Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken
In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 71% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert (Abb. 2). Die Entwicklung hin zu niedrigen Grundwasserständen setzt sich somit fort. Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind derzeit die bereits auffälligen Gebiete Tertiärhügelland und Sandsteinkeuper. Im nördlichen Franken zeigen einzelne Messstellen eine teils ausgeprägte Niedrigwassersituation. Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert.
Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren
Aufgrund der geringen Niederschläge der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15 % auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.
Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab. Die Wassertemperatur bewegt sich aktuell in vielen Fließgewässern noch in einem ökologisch günstigen Bereich. In einigen Gewässern zeigen die Wassertemperaturen jedoch bereits ungünstige Werte. Die seit dem späten Winter vorherrschenden niedrigen Abflüsse lassen den Lebensraum für Fische und andere Gewässerlebewesen zunehmend schrumpfen oder gar trockenfallen. In den größeren Gewässern ist die ökologische Situation weitgehend noch als unkritisch zu bewerten. In den Kleingewässern stehen die Gewässerorganismen durch steigende Wassertemperaturen, Austrocknung und Sauerstoffmangel dagegen zunehmend unter Druck.
Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Der Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Mit Beginn der stärker werdenden Sonneneinstrahlung im Frühjahr wird die Grundlage für die Schwebalgen-Entwicklung gelegt.
Der Wasserstand vieler natürlicher Seen in Bayern befindet sich schon über einen längeren Zeitraum in einem niedrigen Bereich und sinkt momentan weiter. Das Trockenfallen größerer Uferflächen verringert den Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände, die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Eiablagen, die in der Phase eines höheren Wasserstandes erfolgt sind, können vertrocknen. Mögliche Auswirkungen wie z.B. eine geringere Zahl an diesjährigem Nachwuchs hängen auch von den Entwicklungen der Wasserstände in den nächsten Wochen ab. Die Folgen für das empfindliche Ökosystem im Flachwasser können erst im Lauf der nächsten Jahre erkannt werden.
Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert von den nächsten vier Kalenderwochen die erste als zu feucht (KW 23) und die Folgewochen als zu trocken (KW 24 bis KW26). Die derzeitige Prognose der Lufttemperatur geht von vier zu warmen Wochen aus (KW 23 bis KW26). Diese Einstufungen der DWD-Witterungsvorhersage ergeben sich aus dem Vergleich mit dem Referenzzeitraum 2006 bis 2025.
Aufgrund der vorhergesagten Witterung wird die Niedrigwasserlage weiter anhalten und kann sich allmählich ausweiten.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.4: Mittlere monatliche Abflüsse für den Pegel Wolfsmünster/Fränkische Saale.

Abb.5: Mittlere monatliche Abflüsse für den Pegel Donauwörth/Donau.

Abb.6: Mittlere monatliche Wasserstände für den Pegel Stock/Chiemsee.

Abb.7: Blick von der Amper auf den Ammersee bei Stegen (30.05.2026).