Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 06.12.18, 13:00 Uhr

Nach 10 aufeinanderfolgend zu trockenen Monaten bringen die Dezemberniederschläge eine leichte Trendumkehr. Rund 69 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 76 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation.



Witterung:

Im Jahr 2018 sind nun 10 Monate in Folge zu trocken und 8 Monate aufeinanderfolgend zu warm ausgefallen (Novembertemperatur: +1,1 K Abweichung. Novemberniederschlag: 28% vom Mittel 1981-2010). Die ersten Dezembertage mit den aufeinanderfolgenden Regenfällen brachten eine leichte Trendumkehr. So sind vom 1. bis. 5. Dezember in Nordbayern bereits 2/3 und in Südbayern 1/3 des gesamten mittleren Dezemberniederschlags gefallen. Der Dürreindex der letzten 90 Tage klassifiziert nur noch das nördliche Franken als sehr trocken. Bei häufiger westlicher Luftmassenzufuhr fiel der Dezember bisher sehr mild aus und nur ein bis zwei Frosttage wurden registriert.


Fließgewässer:
Die vom 2. bis 4. Dezember vor allem nördlich der Donau und im Allgäu z. T. ergiebigen Niederschläge haben die Abflüsse an den Fließgewässern deutlich ansteigen lassen und verbreitet für eine Entspannung gesorgt. Derzeit werden vielfach an den gewässerkundlichen Pegeln keine niedrigen Abflüsse mehr registriert.

Seen und Speicher:
An den See im Süden Bayerns sind die Wasserstände auch angestiegen. Dennoch bewegen sich viele noch auf niedrigem, z. T. sehr niedrigem Niveau.
Die Betriebsräume für die Niedrigwasseraufhöhung sind aktuell zwischen 21% und 100% gefüllt. Eine Entspannung der Niedrigwassersituation ist vor allem für die südlich gelegenen Talsperren zu verzeichnen. Die Speicher im Norden Bayerns werden unverändert zur Niedrigwasseraufhöhung eingesetzt.
Der Donaupegel bei Kelheimwinzer konnte den Grenzwert von 140 m³/s deutlich überschreiten, so dass über die Kanalüberleitung der Aufstau des Rothsees ermöglicht wird. Da in den nächsten Tagen weitere Niederschläge zu erwarten sind, wird sich die Niedrigwassersituation an den Talsperren weiter entspannen. Die derzeitige Speichersteuerung derÜberleitung sieht vor, den Großen Brombachsee mit Altmühlwasser wieder anzustauen. Eine Niedrigwasseraufhöhung durch die Brombachüberleitung ist derzeit nicht erforderlich. Auch am Sylvensteinspeicher wird derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung betrieben.
Die Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der Jahreszeit und der Witterung entsprechend gefüllt. Dabei hat die TWT Mauthaus die 50% Marke des Betriebsraumes unterschritten. Einschränkungen in der Wasserlieferung an die Fernwasserversorger sind nicht zu erwarten.


Grundwasserstände:

Die Dürren im Sommer und Herbst dieses Jahres führten landesweit zu sinkenden Grundwasserspiegeln und Quellschüttungen. Die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwasser- und Quellmessstellen im oberen Grundwasserstockwerk stieg von rd. 5% Ende Januar bis auf rd. 82% in der zweiten Novemberhälfte an. An vielen Messstellen wurden im Laufe des Jahres auch neue Niedrigstwerte registriert. Die Niederschläge der vergangenen Woche führten zu einer leichten Entspannung der Niedrigwassersituation, aktuell zeigen aber immer noch rd. 69% der oberflächennahen Messstellen in Bayern niedrige und sehr niedrige Werte.


Insbesondere an den Grundwasserständen der tieferen Grundwasserstockwerke sind die Auswirkungen der letzten Trockenperioden (Juni/Juli 2017, Winter 2016/2017, Sommer/Herbst 2015) nachvollziehbar. So zeigten in den vergangenen drei Jahren nie weniger als 40% der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände. Im laufenden Jahr ist der Anteil der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen der tieferen Grundwasserstockwerke stark angestiegen und lag seit Mitte Oktober konstant hoch bei rd. 80 %. Aktuell zeigen rd. 76% der tiefen Messstellen in Bayern niedrige und sehr niedrige Werte.
Aufgrund der insgesamt zu geringen Niederschläge in den letzten Jahren weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein deutliches Defizit auf. Mit einer dauerhaften Entspannung der Niedrigwassersituation im Grundwasser ist nur bei einem stark überdurchschnittlich feuchten Winterhalbjahr zu rechnen.


Wasserqualität Fließgewässer und Seen:

In den Wintermonaten sind bei niedrigen Wassertemperaturen in der Regel sehr gute Sauerstoffverhältnisse gegeben. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung stellt eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für Gewässerorganismen dar. Von einer negativen Beeinflussung in Folge der Wassertemperatur oder des Sauerstoffgehalts ist somit nicht auszugehen.
Bis in den Herbst hinein traten in 2018 sehr geringe Abflüsse in vielen Fließgewässern auf. Zahlreiche Gewässerabschnitte sind im Laufe des Jahres ausgetrocknet. Trockengefallene Gewässerabschnitte bieten den meisten wasserbewohnenden Lebewesen keine Lebensgrundlage mehr. Eine Ausnahme bilden lediglich einige speziell an diese Verhältnisse angepasste Arten. Wie sehr die Lebensgemeinschaften durch das Trockenfallen geschädigt wurden, kann erst durch Untersuchungen im nächsten Jahr überprüft werden.

In den Seen sind die Wassertemperaturen auf ein für diese Jahreszeit normales Niveau abgesunken. Die tieferen Seen sind jedoch weiterhin temperaturgeschichtet, d.h. eine Zirkulation hat noch nicht stattgefunden. Die Sauerstoffsituation für Fische und sonstige Wassertiere bleibt daher im Tiefenwasser von Seen mit erhöhter Nährstoffbelastung weiterhin angespannt. Längerfristig und großräumig trocken gefallene Uferbänke können für bodengebundene Organismen, z.B. Muscheln, einen Verlust des Lebensraums darstellen.

Ausblick:
In den nächsten 14 Tagen wird es einige Wetterlagenwechsel geben, so dreht die Strömung von West, über Nordwest (Samstag/Sonntag 8./9.12.) auf Nord und wieder zurück auf West (ab Mitte Dezember). Die Folge sind viele Niederschlagstage, die zeitweilig Schneefall bis in tiefe Lagen bringen. Das Niederschlagsgeschehen der nächsten 14 Tage wird die Niedrigwassersituation weiter entspannen.



Zusätzliche Informationen im Internet: http://www.nid.bayern.de


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