Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 06.05.26, 15:30 Uhr

Aus dem Winterhalbjahr resultiert ein Niederschlagsdefizit von 33 Prozent. Aktuell zeigen 90 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 67 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse.

Witterung:
Im April 2026 betrug der Flächenniederschlag für Bayern nur 17mm. Nur für den April 2007 zeigt die 96-jährige südbayerische Datenreihe eine noch niedrigere Aprilsumme von 11 mm. In Nordbayern war jeweils der April der Jahre 1946, 2020 und 2007 (7mm) noch trockener. Auch das gerade zu Ende gegangene hydrologische Winterhalbjahr (01.11.2025 bis 30.04.2026) erhielt zu wenig Niederschlag, da für Nordbayern (Bayern nördlich der Donau) nur 245mm (67% vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern (Bayern südlich der Donau) 283mm Niederschlag (66% vom Mittel) registriert wurden. Bis auf den deutlich zu nassen Februar, der durch den Wechsel von Schneefällen, kräftigen Regenfällen, der Schneeschmelze und dem Winterhochwasser in Erinnerung geblieben ist, fielen alle anderen Monate zu trocken aus. Besonders hervorzuheben ist der markant zu trockene Dezember 2025 in Nordbayern und der markant zu trockene April 2026 in Südbayern (s. Abb. 1). Das diesjährige Niederschlagsdefizit aus dem hydrologischen Winterhalbjahr entspricht in etwa der Vorjahressituation (Nordbayern 2mm weniger, Südbayern 8mm mehr). Die Zahl der Schneetage mit einer Schneehöhe von mindestens 1 cm erreichte in München 18 (28 Tage weniger als im Mittel 1971-2000) und in Augsburg 25 Tage (21 Tage weniger als im Mittel). Deutlich länger hielt sich die Schneebedeckung in Nordbayern, mit 22 Schneetagen in Würzburg (6 Tage weniger als im Mittel) und 38 Tagen in Hof (39 Tage weniger als im Mittel).

Im Winterhalbjahr blieb nur der Januar statistisch zu kalt, die anderen fünf Monate (November, Dezember, Februar, März und April) fielen zu warm aus. Deutlich zu warm waren dabei der Februar (3,3 Grad über dem Mittel 1971 bis 2000) und der April 2026 (2,1 Grad über dem Mittel). Für die Charakterisierung des Winters werden unter anderem Frosttage und Eistage herangezogen. Im zurückliegenden Winterhalbjahr summiert sich die Zahl der Frosttage mit einem Lufttemperaturminimum unter 0 °C auf 91 in Nürnberg und 106 in Augsburg. Diese Werte liegen über den jeweiligen Mittelwerten aus dem Zeitraums 1971 bis 2000 (Augsburg: 12 Frosttage mehr als im Mittel). Die Zahl der Eistage mit einem Lufttemperaturmaximum unter 0°C blieb unterdurchschnittlich. Nürnberg und Augsburg hatten rund 11 Eistage weniger als im 30-jährigen Vergleichsmittel.

Fließgewässer:
Zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres 2026 zeigen ca. 72% der Messstellen in Bayern für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse, an 18% der Messstellen werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (Abb. 3).

Bewertung der Situation im hydrologischen Winterhalbjahr 2025/2026:
Die mittleren monatlichen Abflüsse werden exemplarisch für das Flussgebiet der Fränkischen Saale am Pegel Wolfsmünster und die Donau am Pegel Donauwörth dargestellt (Abb. 4 und 5). Im Vergleich der Monate November bis April lagen die Monatsmittelwerte stets unter dem langjährigen Mittel, nur der Februar war etwas abflussstärker. Im Süden Bayerns lag der Abfluss zu Beginn des hydrologischen Winterhalbjahres (November 2025) nur knapp unter dem langjährigen Mittelwert, in den Monaten Dezember, Januar, März und April lagen die Werte deutlich darunter. Das Abflussdefizit ist im Norden Bayerns noch etwas ausgeprägter als im Süden. Hier lagen mit Ausnahme des Februars alle Monatsmittelwerte deutlich unter dem langjährigen Mittelwert.

Seen und Speicher:
An ca. 29% der beobachteten Seen und Speicher werden für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 18% sehr niedrige Wasserstände registriert.

Die mittleren monatlichen Wasserstände werden exemplarisch für den Chiemsee am Pegel Stock dargestellt (Abb. 6). Die Wasserstände lagen stets unter den langjährigen Monatsmitteln, nur im März wurden Wasserstände im Bereich des langjährigen Mittelwertes registriert. In den Monaten Dezember bis Februar und zum Ende des hydrologischen Winterhalbjahres im April 2026 lagen die Monatsmittelwerte deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Die Abbildung 7 zeigt den Chiemsee am 28.04.2026.

Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu rd. 68 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen ist die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet.

Am Überleitungssystem Donau-Main liegt planmäßiger Regelbetrieb vor. Das Überleitungssystem Donau-Main versorgt über den Main-Donau-Kanal unter Mitwirkung des Rothsees das Maingebiet mit Donauwasser.
An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 70% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.

Grundwasserstände:
Zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres 2026 (Mai bis Oktober) weisen rund 67 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 62 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation (s. Abb. 2). Vereinzelt werden neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk:
Mit Ausnahme des Februars war das nun abgeschlossene hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 – April 2026) von einer deutlichen Trockenheit geprägt. Die in diesem Zeitraum stattfindende Grundwasserneubildung war dementsprechend gering, so dass zumeist auch der übliche Anstieg der Grundwasserstände und Quellschüttungen während des Winterhalbjahres unterdurchschnittlich ausfiel. In der Folge hat sich derzeit an rund zwei Drittel (67%) der Messstellen eine, teils ausgeprägte, Niedrigwassersituation eingestellt. Vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert.
Die Ausgangslage zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai bis Oktober) muss daher als angespannt bezeichnet werden. Dies wird auch beim Vergleich mit den Bedingungen zum aktuellen Zeitpunkt der Vorjahre bestätigt. Eine annähernd vergleichbar ungünstige Ausgangslage wurde zuletzt zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres 2020 registriert, als an rd. 60% der Messstellen des obersten Grundwasserstockwerks eine Niedrigwassersituation vorherrschte.
Auch wenn es durch die derzeit angekündigten Niederschläge im Mai kurzfristig wahrscheinlich nicht zu einer weiteren Verschärfung der aktuellen Niedrigwassersituation kommen wird, werden die Grundwasserstände in vielen Bereichen Bayerns, dem üblichen Jahresgang folgend, während der Sommermonate weiter absinken. Sollten die Sommer- und Herbstmonate zu warm und weiterhin zu trocken ausfallen, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bayernweit ausgeprägte und anhaltende Niedrigwassersituation im Grundwasser einstellen. Die weitere Entwicklung ist daher genau zu beobachten.

Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken:
In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 62% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert. Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind derzeit mehrere Messstellen des mittelfränkischen Sandsteinkeupers, weite Teile des Tertiärs zwischen Alpenvorland und Donau sowie einzelne Messstellen im nördlichen Franken.

Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren:
Aufgrund der zu geringen Niederschlägen der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15% auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab. Aktuell sind die Wassertemperaturen für die Gewässerorganismen aufgrund der Jahreszeit noch günstig. Allerdings führen die seit dem späten Winter anhaltend niedrigen Wasserabflüsse dazu, dass der Lebensraum für Fische und andere Gewässerlebewesen zunehmend kleiner wird. Bisher wird diese Situation jedoch noch nicht als kritisch angesehen.

Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich vom Wechsel der warmen und kalten Jahreszeiten geprägt. Während der Wintermonate findet in der Regel eine Zirkulation des Wasserkörpers statt, das bedeutet den Sauerstofftransport in tiefere Schichten, gleichzeitig werden die Nährstoffe, die sich über Grund angesammelt haben, in das Freiwasser eingebracht. Das sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Abhängig von den Witterungsbedingungen im Winter ist dieser Prozess stärker oder schwächer ausgeprägt.
Der niedrige Wasserstand der Seen bewirkt das Trockenfallen größerer Uferflächen. Dadurch verringert sich der Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann in der Laichzeit nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Eiablagen, die bei einem höheren Wasserstand erfolgt sind, können durch Trockenfallen vertrocknen. Mögliche Folgen, wie z.B. eine geringere Zahl an diesjährigem Nachwuchs, hängen auch von den Entwicklungen der Wasserstände in den nächsten Wochen ab.

Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert von den nächsten drei Kalenderwochen zwei als zu feucht (KW 20 und 21) und eine als normal (KW 22). Die derzeitige Prognose der Lufttemperatur geht von wechselhaften Bedingungen aus (KW 20: normal, KW 21: zu warm und KW 22 zu kalt). Diese Einstufungen der DWD-Witterungsvorhersage ergeben sich aus dem Vergleich mit dem Referenzzeitraum 2006 bis 2025.

Aufgrund der vorhergesagten wechselhaften Witterung wird sich die Niedrigwasserlage nur geringfügig ändern.

Abb. 1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb. 2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb. 3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb. 4: Mittlere monatliche Abflüsse für den Pegel Wolfsmünster/Fränkische Saale.



Abb. 5: Mittlere monatliche Abflüsse für den Pegel Donauwörth/Donau.



Abb. 6: Mittlere monatliche Wasserstände für den Pegel Stock/Chiemsee.



Abb. 7: Chiemsee am 28.04.2026. Aufnahme aus dem Ortsteil Harras der Gemeinde Prien a. Chiemsee.



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