Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 03.06.20, 14:00 Uhr

Der Mai fällt zu trocken und zu kalt aus. Rund 79 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände auf. In den tieferen Grundwasser-Stockwerken zeigen 82 Prozent der Messstellen diese Niedrigwassersituation.

Witterung:
Nach dem zu trockenen hydrologischen Winterhalbjahr fiel auch der Mai zu trocken aus (Abb. 1). So summierte sich der Mainiederschlag in Nordbayern auf 49mm (67% vom Mittel 1981 bis 2010) und in Südbayern auf 68mm (63% vom Mittel). Der Juni startete niederschlagsfrei und damit zeigt der Dürreindex der letzten 90 Tage verbreitet sehr trockene, gebietsweise auch extrem trockene Verhältnisse. Nach 10 zu warmen Monaten, war der Mai wieder der erste zu kalte Monat und die Zahl der Sommertage lag unter dem langjährigen Mittel. Die Spannweite der Sommertage reichte von 0 (z.B. Hof) bis 3 (z.B. München).

Fließgewässer:
Durch die fehlenden Niederschläge der letzten Wochen sind die Abflüsse weiter zurückgegangen. Derzeit werden bayernweit an den gewässerkundlichen Messstellen niedrige Abflüsse registriert. Außerhalb des Alpenraums und des nordwestlichen Bayerns liegen die Abflüsse vielfach unterhalb des langjährigen mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) und werden als sehr niedrig eingestuft. Günstiger ist die Abflusssituation an Fließgewässerabschnitten, die durch Speicherabgaben gestützt werden. Eine solche Abflusserhöhung erfolgt z. B. an der Rednitz/Regnitz durch Abgaben aus dem Roth- sowie Brombachsee.

Seen und Speicher:
An einigen Seen im Süden Bayerns herrschen niedrige Wasserstände, im Südosten auch sehr niedrige Wasserstände. An den staatlichen Talsperren sind die Betriebsräume zur Niedrigwasseraufhöhung mit Ausnahme des Rothsees zwischen ca. 83 und 100% gefüllt. Die Füllstände der Betriebsräume für die Niedrigwasseraufhöhung befinden sich damit auf einem guten Niveau. In den nächsten Tagen werden die Seepegel voraussichtlich noch leicht fallen.
Das Überleitungssystem Donau-Main kann momentan nicht über den Main-Donau-Kanal mit Donauwasser versorgt werden. Der Durchschnittswert des Vortages der Wasserführung in der Donau lag unter der festgelegten Entnahmegrenze. Die Stützung der Regnitz erfolgt durch Abgabe aus dem Rothsee.
Die Betriebsräume der Trinkwasserspeicher Mauthaus und Frauenau sind der derzeitigen Wettersituation entsprechend gefüllt. Die Wasserlieferung an die Fernwasserversorger erfolgt uneingeschränkt.

Grundwasserstände:
Aufgrund der insgesamt zu geringen Niederschläge in den letzten Jahren weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein Defizit auf. Nach den beiden Trockenjahren 2018 und 2019 fiel auch das Winterhalbjahr 2019/20 zu trocken aus. Die Niedrigwassersituation im Grundwasser erreichte Ende Januar 2020 einen vorläufigen Höhepunkt. 85% der Messstellen des oberen Grundwasserstockwerks waren als niedrig oder sehr niedrig klassifiziert. Die ergiebigen Niederschläge im Februar und in der ersten Märzhälfte führten dann zu einer kurzzeitigen Erholung. Diese erfolgte aber überwiegend in schnell regenerierenden Grundwasservorkommen entlang der Fließgewässer und in Grundwasservorkommen mit geringer Überdeckung und erwies sich als nicht nachhaltig. Als Folge der zu geringen Niederschläge von Mitte März bis heute verschärfte sich die Situation erneut. Aktuell zeigen 79% der Grundwassermessstellen und Quellen des oberen Grundwasserstockwerks in Bayern eine Niedrigwassersituation (Abb. 2), vereinzelt werden auch neue Niedrigstwerte registriert. Auf Grund der weitläufig ausgetrockneten Böden sowie der Verdunstungsverluste durch die Vegetation führen derzeit einzelne Niederschlagsereignisse zu keiner nennenswerten Aufhöhung der Grundwasserstände.
Im Mittel liegt das Niveau der aktuellen Grundwasserstände und Quellschüttungen in Bayern, mit Ausnahme von Teilen Frankens, unter den Werten der vorangegangenen Trockenjahre. So waren zum 02.06.2018 nur 33% und zum 19.05.2019 nur 20% der Messstellen als niedrig klassifiziert.
Insbesondere in den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen sich die Auswirkungen der verringerten Grundwasserneubildung der letzten Jahre. So beträgt die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen derzeit 82%.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die gewässerökologische Situation in unseren Fließgewässern wird maßgeblich durch das Zusammenspiel von Wassertemperatur, Sauerstoff und Abfluss bzw. Wasserstand und Strömung bestimmt. Die Wassertemperaturen liegen auf Grund der kühlen Nächte im landesweiten Mittel bei ca. 16°C. Nur an den größeren Flüssen wie Main und Donau werden ca. 19°C erreicht. Diese Werte sind jahreszeitlich typisch. Dagegen sind die Abflüsse in vielen Teilen Bayerns für die Jahreszeit schon jetzt niedrig bis sehr niedrig. Diese Lage entspannt sich durch aktuelle Niederschläge nur kurzzeitig. Die Auswirkungen der häufig geringen Wasserstände werden zwar im Hinblick auf die Gewässerökologie durch die niedrige Wassertemperatur und damit gute Sauerstoffversorgung ausgeglichen. Langfristige Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften durch die häufigen, langanhaltenden oder sogar ganzjährig auftretenden geringen Abflüsse und niedrige Wasserstände sind schwer zu ermitteln, aber nicht ausgeschlossen.
Am Main und an der Donau liegen keine Meldungen im Rahmen des gewässerökologischen Alarmplanes vor. Der Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur liegen in einem günstigen Bereich.
Die Wasserstände der Seen sind momentan oft außerhalb des Niedrigwasserbereichs, jedoch nicht überall. Wasserlebende Insekten sowie auch Amphibien legen Eier oft in Ufernähe oder in Röhrichtbeständen ab, frisch geschlüpfte Jungtiere finden hier Schutz. Auch Samen und Keimlinge von Wasserpflanzen befinden sich in diesem Bereich. Die in diesem Frühjahr teilweise auch länger anhaltenden niedrigen Wasserstände an Seen können das Austrocknen von Uferbänken sowie die räumliche Trennung der Röhrichtbestände vom Wasserkörper bewirken. Ob dadurch die Fortpflanzung der Wasserorganismen in diesem Jahr beeinträchtigt und so die Gesamtbestände der Lebewesen geschwächt wurden, wird man erst mit künftigen Untersuchungen feststellen können.

Ausblick: Die DWD-Prognosen zeigen für den Zeitraum bis zum 09. Juni mitteleuropäischen Tiefdruckeinfluss mit kühlem Wetter und Flächenniederschlägen, die im südlichen Bayern länger anhalten werden. In der darauffolgenden Woche bis zum 17. Juni zeigt die Mittefristprognose Hochdruckeinfluss mit konvektiven Niederschlägen und sommerlichen Temperaturen. Trotz der vorhergesagten Flächenniederschläge wird das vielmonatige Niederschlagsdefizit und die Niedrigwasserlage bestehen bleiben.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1981-2010) für die Regionen Nord- und Südbayern im Verlauf der letzten 2 Jahre.

Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk im Verlauf der letzten 2 Jahre.



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