Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern

Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 13.03.26, 15:45 Uhr

Das Niederschlagsdefizit des laufenden Winterhalbjahres beträgt derzeit rund 25 Prozent. Aktuell zeigen 28 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse, in den tieferen Grundwasserstockwerken haben 52 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation.

Witterung:
Der März begann bayernweit mit 10 Trockentagen und damit fällt die bisherige Monatsbilanz deutlich zu trocken aus (s. Abb. 1). Auch das laufende Winterhalbjahr (01.11.2025 bis 12.03.2026) erhielt zu wenig Niederschlag, da für Nordbayern bisher nur 208mm (75% vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern 237mm Niederschlag (77% vom Mittel) registriert wurden. Der Winter startete mit den drei aufeinanderfolgend zu trockenen Monaten November, Dezember und Januar, wobei der markant zu trockene Dezember besonders in Erinnerung geblieben ist. Die Zahl der Schneetage mit einer Schneehöhe von mindestens 1 cm erreichte in München 18 und in Augsburg 25 Tage. Deutlich länger hielt sich die Schneebedeckung in Nordbayern, mit 22 Schneetagen in Würzburg und 37 Tagen in Hof.

Im bisherigen Winterhalbjahr war nur der Januar statistisch zu kalt, die Monate November, Dezember und Februar fielen zu warm aus. Die Mitteltemperatur des Februars lag sogar um 3,3 Grad über dem Mittel 1971 bis 2000. Für die Charakterisierung des Winters werden unter anderem Frosttage und Eistage herangezogen. Im bisherigen Winter summiert sich die Zahl der Frosttage mit einem Lufttemperaturminimum unter 0°C auf 73 in Nürnberg und 84 in Augsburg. Diese Werte liegen im Bereich der jeweiligen Mittelwerte aus dem Zeitraums 1971 bis 2000. Die Zahl der Eistage mit einem Lufttemperaturmaximum unter 0°C blieb unterdurchschnittlich. Nürnberg und Augsburg hatten jeweils 10 Eistage weniger als im 30-jährigen Vergleichsmittel.

Fließgewässer:
Mitte März zeigen nur ca. 19% der Messstellen in Bayern für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse. Nur vereinzelt (2% der Messstellen) werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (s. Abb. 3).

Seen und Speicher:
An den großen Seen im Süden Bayerns sind die Wasserstände in den letzten Wochen angestiegen, so dass aktuell keine Niedrigwassersituation besteht.

Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung sind derzeit zu rd. 70% bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen ist die Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine Niedrigwasseraufhöhung leistet.

Am Überleitungssystem Donau-Main liegt planmäßiger Regelbetrieb vor. Das Überleitungssystem Donau-Main versorgt somit derzeit über den Main-Donau-Kanal unter Mitwirkung des Rothsees das Maingebiet mit Donauwasser.

An der TWT Mauthaus musste zur Durchführung von Sanierungsarbeiten an der Hochwasserentlastungsanlage der Wasserstand im Winter 2024/25 teilabgesenkt werden. Der Betriebsraum ist derzeit wie auch in der TWT Frauenau zu rd. 70% gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger herangezogen werden.

Grundwasserstände:
Aktuell weisen rund 28 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 52 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation. Vereinzelt werden neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk:
Nach dem zu trockenen Kalenderjahr 2025 führten die ausgeprägten Niederschläge sowie die einhergehende Schneeschmelze im Februar zu einem deutlichen Rückgang der Anzahl an Messstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Messwerten von 71% am 05.02.2026 auf zwischenzeitlich 21% am 02.03.2026. Aktuell steigt der Anteil an Messstellen mit Niedrigwassersituation im obersten Grundwasserstockwerks wieder (Abb. 2).
Da in vielen Bereichen Bayerns die Grundwasserstände im Laufe der Frühjahrsmonate absinken und vorerst keine ausgeprägten Niederschlagsmengen erwartet werden, ist tendenziell wieder mit einer Ausweitung der Niedrigwassersituation zu rechnen. Sollte das verbleibende Winterhalbjahr bis zum April weiterhin zu trocken und zu warm ausfallen, ist während der Sommermonate 2026 eine bayernweit ausgeprägte Niedrigwassersituation im Grundwasser wahrscheinlich.

Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken:
In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 52% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert.
Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind derzeit mehrere Messstellen des mittelfränkischen Sandsteinkeupers, weite Teile des Tertiärs zwischen Alpenvorland und Donau sowie einzelne Messstellen im nördlichen Franken.

Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren:
Aufgrund der zu geringen Niederschläge der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2024 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 13% auf. Erst durch das nasse Jahr 2024 konnten die gehäuft aufgetretenen Trockenjahre (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) wieder etwas ausgeglichen werden. Das Kalenderjahr 2025 war erneut von einer weit unterdurchschnittlichen Grundwasserneubildungsmenge charakterisiert.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Jahreszeitlich bedingt liegt die Wassertemperatur und damit auch der Sauerstoff aktuell in einem günstigen Bereich.

Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Die niedrigen Temperaturen im Januar haben zu der notwendigen Abkühlung des gesamten Wasserkörpers beigetragen. Diese ist Voraussetzung für gute Bedingungen für den Beginn der Vegetationsperiode. Nach einer längeren Niedrigwasserperiode weisen die Seen inzwischen wieder Wasserstände im Normalbereich auf, die empfindlichen Uferökosysteme sind somit aktuell gut mit Wasser versorgt.

Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert von den nächsten vier Kalenderwochen zwei als zu trocken (KW 12 und 14) und zwei als normal (KW 13 und 15). Die derzeitige Prognose der Lufttemperatur geht von zwei normalen (KW 12 und 14) und zwei zu warmen Wochen (KW 13 und 15) aus. Diese Einstufungen der DWD-Witterungsvorhersage ergeben sich aus dem Vergleich mit dem Referenzzeitraum 2006 bis 2025.

Aufgrund der vorhergesagten wechselhaften Witterung wird sich die Niedrigwasserlage nur geringfügig ändern.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.


Abb.3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.


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