Niedrigwasser-Lagebericht Bayern

Ausgegeben am 26.06.26, 15:10 Uhr

Das Niederschlagsdefizit des laufenden Abflussjahres beträgt für Bayern rund 34 Prozent. Im Monat Juni wurde noch nie eine so lange Hitzewelle beobachtet. Aktuell zeigen 91 Prozent der Fließgewässermessstellen sowie 80 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie Quellen niedrige Verhältnisse.

Witterung:
In der ersten Junihälfte brachten sieben aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete mit ihren Fronten gebiets- und zeitweise einige Starkniederschläge. Danach folgte vielerorts eine anhaltende Trockenperiode mit einem großräumigen Niederschlagsdefizit (s. Abb. 1) Im bisherigen Abflussjahr (01.11.2025 bis 25.06.2026) beträgt die Niederschlagssumme für Nordbayern 338mm (67 Prozent vom Mittel 1971 bis 2000) und für Südbayern 413mm (65 Prozent vom Mittel). Der Niederschlags-/Dürreindex (SPI) der letzten 90 Tage klassifiziert für Schwaben und Oberbayern sowie für das westliche Niederbayern und das westliche Mittelfranken extrem trockene Verhältnisse.
Die Hitzewelle erreicht am 27./28. Juni ihren Höhepunkt. An einigen Stationen wurden schon neun heiße Tage in Folge registriert (Tage mit Lufttemperaturen von 30°C und mehr). So eine lange Hitzeperiode im Juni wurde in Bayern bisher nicht beobachtet. Die Spannweite der heißen Tage reicht von 5 (Hof) über 12 (Nürnberg, Würzburg) bis 16 (Regensburg, Kitzingen). Es werden neue Rekordwerte für den Juni erwartet. Auch traten vereinzelt Tropennächte auf (Tage mit einem Lufttemperaturminimum von mindestens 20°C): 3 (München) und 5 (Würzburg).

Fließgewässer:
Die Abflüsse an den Fließgewässern sind in der letzten Woche weiter gesunken. Die Niedrigwasserlage setzt sich bayernweit fort. Ca. 37% der Messstellen in Bayern zeigen für die Jahreszeit niedrige Abflussverhältnisse, an 54% der Messstellen werden aktuell Abflüsse unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ) gemessen und als sehr niedrig eingestuft (Abb. 3). An einzelnen Pegeln bewegen sich die Abflüsse im Bereich des niedrigsten bisher gemessenen Tageswertes (NQ). Günstiger ist die Abflusssituation derzeit an Fließgewässerabschnitten, die durch Speicherabgaben gestützt werden. Eine solche Abflusserhöhung erfolgt z. B. an der Rednitz/Regnitz durch Abgaben aus dem Rothsee sowie Brombachsee.

Seen und Speicher:
An den Seen im Süden Bayerns sind die Wasserstände leicht gefallen. An ca. 12% der beobachteten Seen und Speicher werden für die Jahreszeit niedrige Wasserstände und an ca. 24% sehr niedrige Wasserstände registriert.

Die Betriebsräume der staatlichen Wasserspeicher mit der Funktion Niedrigwasseraufhöhung
sind derzeit zu rd. 50 bis 100% gefüllt. Diese Volumina können für die Niedrigwasseraufhöhung in Anspruch genommen werden. Davon ausgenommen ist die
Trinkwassertalsperre (TWT) Mauthaus, welche aufgrund von Sanierungen derzeit keine
Niedrigwasseraufhöhung leistet.

Am Überleitungssystem Donau-Main wird, da der Mindestabfluss von 140m³/s am Pegel
Kehlheimwinzer seit heute unterschritten ist, aus der Donau kein Wasser mehr zur Überleitung
in das Maingebiet verwendet. Die Bewirtschaftung des Überleitungssystems wurde am
26.06.2026 umgestellt. Die Niedrigwasseraufhöhung in das Maingebiet erfolgt aktuell über den
Rothsee und den Großen Brombachsee. Die derzeitige Abgabe aus dem Rothsee beträgt
10,0m³/s und wird in den nächsten 24h sukzessive auf 6,0m³/s reduziert. Die Abgabe aus
dem Großen Brombachsee beträgt aktuell 2,3m³/s und wird im Laufe des Tages auf 4,0m³/s
gesteigert.

An der TWT Mauthaus und der TWT Frauenau sind derzeit die Betriebsräume zu rd. 65%
gefüllt. Beide Trinkwassertalsperren können zur Wasserlieferung an die Fernwasserversorger
herangezogen werden.

Grundwasserstände und Quellschüttungen:
Aktuell weisen rund 80 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf. In den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen rund 74 Prozent der Messstellen eine Niedrigwassersituation. Vermehrt werden, mit Schwerpunkt Südbayern, neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserstände und Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk

Nach dem zu trockenen Jahr 2025 waren auch das hydrologische Winterhalbjahr (November 2025 – April 2026) sowie die Monate Mai und Juni von Trockenheit geprägt. In der Folge hatte sich an zahlreichen staatlichen Grundwassermessstellen und Quellen eine Niedrigwassersituation eingestellt, die sich auf Grund der derzeitigen Hitze- und Trockenphase weiter verschärft hat. Entsprechend wird aktuell an 80% der Messstellen des oberen Grundwasserstockwerks eine, teils ausgeprägte, Niedrigwassersituation gemessen (Abb. 2). Zunehmend werden auch, mit Schwerpunkt Südbayern, neue Niedrigstwerte registriert. Neben den Grundwasserständen sind insbesondere die Quellschüttungen im oberen Grundwasserstockwerk von Niedrigwasserbedingungen betroffen und zeigen häufig einen Schüttungsrückgang wie sonst in den Herbstmonaten.
Die aktuelle Situation ist weiterhin als angespannt zu bezeichnen. Dies wird durch einen Vergleich mit den Bedingungen zum selben Zeitpunkt der letzten fünf Jahre bestätigt: 2021: 31%, 2022: 58%, 2023: 47%, 2024: 5%, 2025: 58%. Unter Berücksichtigung der Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der üblichen jahreszeitlichen Entwicklung, muss vorerst von bayernweit weiter sinkenden Grundwasserständen ausgegangen werden. Sollten weitere zu trockene Sommer- und Herbstmonate folgen, wird sich die Niedrigwassersituation voraussichtlich weiter verschärfen. Das weitere Geschehen ist genau zu beobachten.

Entwicklung der Grundwasserstände in den tieferen Grundwasserstockwerken

In den tieferen Grundwasserstockwerken wird aktuell an rund 74% der Messstellen eine Niedrigwassersituation registriert (Abb. 2). Auch hier setzt sich die Entwicklung hin zu niedrigen Grundwasserständen weiter fort. Besonders von niedrigen Grundwasserständen betroffen sind derzeit die bereits auffälligen Gebiete Tertiärhügelland und Sandsteinkeuper. Im nördlichen Franken zeigen einzelne Messstellen eine teils ausgeprägte Niedrigwassersituation. Vermehrt werden neue Niedrigstwerte registriert.

Entwicklung der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren

Aufgrund der in Summe zu geringen Niederschlägen der letzten Jahre weist die Grundwasserneubildung in Bayern im Zeitraum 2003 bis 2025 ein mittleres jährliches Defizit von rd. 15% auf. Erst das nasse Jahr 2024 führte nach zuvor gehäuft aufgetretenen Trockenjahren (2015, 2018, 2019, 2020, 2022) zu einer vorübergehenden Erholung. Diese Erholung war in ihrer Ausprägung jedoch nicht nachhaltig, so dass sich das Defizit in der Grundwasserneubildung nach dem Trockenjahr 2025 erneut vergrößert hat.

Trinkwasserversorgung:
Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Bayern ist gewährleistet. Versorgungsengpässe bei den Abnehmern sind aktuell nicht bekannt. Bei einer Reihe von Quellen und Brunnen der Wasserversorgung werden allerdings geringe bzw. zurückgehende Quellschüttungen und niedrige bzw. sinkende Grundwasserstände beobachtet, die unter den saisonal üblichen Werten liegen. In Einzelfällen wurden deswegen Brunnen außer Betrieb genommen, bei Fortdauer der Situation ist mit weiteren Außerbetriebnahmen zu rechnen. Hinweise auf geringe Wasserdargebote zeigen sich aufgrund der Niederschlagssituation der vergangenen Monate besonders in Südbayern (Schwaben und Oberbayern) und Ostbayern. Bei einigen der dortigen Wasserversorger ist deshalb eine angespannte Situation zu beobachten. Im Hinblick auf die bevorstehenden Sommermonate mit üblicherweise höheren Verbräuchen haben einige Wasserversorger, vor allem wenn diese Quellwasser nutzen, vorsorglich zum Sparen von Trinkwasser aufgerufen und auf Einsparmöglichkeiten, z. B. bei Gartenbewässerung, Verzicht auf Befüllung von Swimmingpools und Autowaschen bzw. Duschen statt Baden, hingewiesen. Wegen der aktuellen Hitzewelle und den damit verbundenen hohen Wasserabgaben haben – seit dem NID-Lagebericht vom 19.06.2026 – einige weitere Wasserversorger vorsorgliche Appelle zum Wassersparen veröffentlicht, u.a. auch zwei große Wasserversorger in Oberbayern und Unterfranken. Weitere Maßnahmen einzelner Wasserversorger sind: Erlass einer Allgemeinverfügung eines Wasserversorgers, die bis auf Weiteres das Befüllen von Swimmingpools untersagt, Aufnahme des Bezugs von Trinkwasser von einem leistungsfähigen benachbarten Fernwasserversorger, vorübergehende Genehmigung zur Inbetriebnahme stillgelegter Quellen.
Derzeit werden teilweise auch bei Berghütten mit Quellwassernutzung rückläufige Trinkwasserdargebote beobachtet.

Gewässerökologie Fließgewässer und Seen:
Die ökologische Situation in unseren Fließgewässern hängt stark von der Wassertemperatur, dem Sauerstoffgehalt sowie dem Wasserstand und der Strömung ab. In der momentan ausgeprägten Hitzeperiode erreichen die Wassertemperaturen hohe bis sehr hohe Werte. An rund 60 Prozent der Wassertemperatur-Messstellen sind die Orientierungswerte nach Oberflächengewässerverordnung überschritten.

Am Main zwischen Kahl am Main und Würzburg wurde am 25.06. von der Regierung Unterfranken wegen hoher Wassertemperaturen über 28°C die Meldestufe „Alarm“ ausgelöst. Im Bereich zwischen Würzburg bis Bamberg liegen die Wassertemperaturen im Bereich von 26°C; dort wurde die Meldestufe „Warnung“ ausgelöst. An der Donau zwischen Regensburg und Passau wurde am 25.06. durch die Regierung der Oberpfalz auf Grund von Wassertemperaturen über 26°C die Meldestufe „Warnung“ ausgerufen. Die Sauerstoff- und Abflusswerte in Main und Donau liegen in unkritischen Bereichen.

Durch die weiterhin abnehmenden Abflüsse verkleinert sich der Lebensraum für Fische und andere Gewässerlebewesen in kleinen Gewässern zunehmend. Die Zahl trockengefallener Gewässerabschnitte in den kleineren Gewässern und Oberläufen, steigt. Hierdurch geraten Gewässerorganismen unter Druck. So sind bereits vereinzelt Fischsterben aufgetreten, denen, wo möglich, durch Rettungsaktionen durch Abfischungen entgegengewirkt wird.


Entwicklung in den Seen
Das Ökosystem der Seen wird maßgeblich von der Temperaturentwicklung im Jahresverlauf geprägt. Der Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten sichert die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers und die Nährstoffversorgung der Pflanzen und Tiere im Freiwasser. Die Entwicklung von pflanzlichen und tierischen Organismen ist stark an die Temperatur und die Nährstoffgehalte gekoppelt. Durch die Hitze in den vergangenen Tagen sind die Oberflächentemperaturen schon sehr früh im Jahr stark angestiegen und haben teilweise Spitzenwerte erreicht.
Der Wasserstand einiger natürlicher Seen in Bayern befindet sich schon über einen längeren Zeitraum im niedrigen und vermehrt auch im sehr niedrigen Bereich (siehe Kapitel Wasserstände). Ein erster, kleiner See wurde als trockengefallen gemeldet. Das Trockenfallen größerer Uferflächen verringert den Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Flachwasser. Röhrichtbestände, die von der Wasserfläche abgeschnitten werden, sind dann nicht als Habitat und Rückzugsraum zugänglich. Gelege, die in der Phase eines höheren Wasserstandes entstanden sind, können vertrocknen. Sehr hohe Wassertemperaturen im Flachwasser können alle dort lebenden wenig oder nicht mobile Organismen und deren Entwicklungsstadien schädigen, beispielsweise Muscheln. Mögliche Auswirkungen sowie die Folgen für das empfindliche Ökosystem im Flachwasser können erst im Lauf der nächsten Jahre erkannt werden.

Erste starke Algenentwicklungen in einigen Weihern wurden beobachtet ebenso wie beginnende Blaualgenblüten auch in größeren Seen. Im Altmühlsee musste bereits eine Badewarnung wegen einer starken Blaualgenentwicklung ausgesprochen werden, die installierte Badebucht ist nicht betroffen. Es treten auch schon Fälle von Zerkarienvorkommen auf. Diese Parasiten werden von großer Wärme gefördert und können stark juckende Ausschläge verursachen.

Ausblick:
Die aktuelle Basis-Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) klassifiziert die nächsten zwei Kalenderwochen (KW 27 bis 28) als zu trocken und zu warm. Diese Einstufungen basieren auf Klimavorhersagen im Vergleich zur Klimaausprägung 2006 bis 2025.

Aufgrund der vorhergesagten Witterung wird die Niedrigwasserlage weiter anhalten. Die Hitzewelle soll am 28. Juni zu Ende gehen.

Abb.1: Abweichungen vom mittleren Monatsniederschlag (1971-2000) für die Regionen Nordbayern (Bayern, nördlich der Donau) und Südbayern (Bayern, südlich der Donau) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.2: Anteil an Grundwassermessstellen und Quellen mit der Klassifizierung niedrig, sehr niedrig bzw. neuer Niedrigstwert im oberen Grundwasserstockwerk (dunkelblaue Linie) und den tieferen Stockwerken (blaue Linie) im Verlauf der letzten 2 Jahre.



Abb.3: Anteil der Pegel an Fließgewässern mit einer Klassifizierung sehr niedrig im Verlauf der letzten 2 Jahre.


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